Jenseits des Amazonas

Santoro: Alma am Anhaltischen Theater Dessau

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Nicht nur Afrika ist auf der Weltkarte der klassischen Musik eine terra incognita. Es wimmelt nur so von dunklen Zonen, unzähligen Orten und Ländern, die rein gar nichts von Bedeutung hervorgebracht zu haben scheinen. Oder bestenfalls einen bekannten Namen, ein populäres Stück. Verglichen mit Australien, Japan, Nahost und Afrika hat es Südamerika noch recht gut getroffen. Bei der Vermittlung brasilianischer Musik spielten Deutsche eine erfreuliche Rolle.

Werner Herzog inszenierte 1994 in Bonn die – auch auf CD vorliegende – deutsche Erstaufführung Antônio Carlos Gomes’ «Il Guarany», 1870 mit sensationellem Erfolg an der Scala uraufgeführt. Die erste Gesamteinspielung aller elf Symphonien von Heitor Villa Lobos legte Ende der 1990er-Jahre das Rundfunksinfonieorchester Stuttgart vor, und Deutschland war ebenfalls sehr wichtig für Cláudio Santoro – wenn auch nicht so wichtig wie Moskau…

Der aus Manaus stammende Komponist lehrte ab 1971 Dirigieren an der Mannheimer Hochschule, wo er sich zwar mit Elektroakustik beschäftigte, als Anhänger des Sozialistischen Realismus aber kaum in seinen Werken verwendete. Man hört in seiner Oper «Alma» erfreulich wenig Donaueschingen, dafür viel ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Volker Tarnow

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