Vor jeder Wagner-Partie eine «Winterreise»
Herr Holl, hinterlassen Lieder Spuren in Ihrer Opernarbeit?
Die Arbeit mit Texten interessiert mich am meisten. Das ist, wenn ich Wagner singe, nicht anders als bei einem Schubert-Lied.
Inwiefern?
Es geht um die Einheit von Text und Musik. Das war bei Wagner ja auch so: Er schrieb zuerst die Dichtungen, und im zweiten Schritt komponierte er sie aus. Nicht zuletzt deswegen sollte die Phrasierung so sein wie beim Sprechen. Wagner legte Wert darauf, dass Singen die intensivste Form des Sprechens ist.
Was für ein schöner Satz! Wegen der Deutlichkeit muss ich sogar manchmal eine musikalische Linie unterbrechen und Wörter absetzen, damit sie in der zwanzigsten oder dreißigsten Reihe noch verstanden werden. Wagner hat ja selbst mit den Sängern gearbeitet: Er hat sie erst einmal eine Phrase ganz deutlich sprechen lassen und darauf geachtet, dass sie gut einatmen und auf diesem Atem den ganzen Satz ganz deutlich sprechen. Und dann erst hat er sie singen lassen. Das ist genau das, was ich versuche zu machen.
Erfordert Deutlichkeit bei der intimeren Form des Liedgesangs nicht auch andere Schwerpunkte?
Ja, sicher! Beim Schubert-Lied «Das Wandern» etwa darf man nicht – wie es bei vielen Sängern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ferruccio Busonis «Doktor Faust» ist eines der Hauptwerke des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts. Der deutsch-italienische Komponist konnte die Oper, die er gleichsam wie ein Monument über sein gesamtes Schaffen stülpte, nicht mehr abschließen. In Stuttgart – und zuvor in San Francisco (siehe OW 8/2004) – kam sie erstmals ohne die Ergänzungen Philipp Jarnachs bzw....
In Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexiko» ist die Musik selbst schon Theater. Das Szenarium des Theaterrevolutionärs Antonin Artaud bildet nur den Ausgangspunkt eines visionären Entwurfs, der die rudimentären Handlungselemente – den Gegensatz von kosmischem und logozentrischem Denken in Gestalt des Aztekenherrschers Montezuma und des spanischen Konquistadors Cortez,...
Neben zwei deutschen, einer russischen und einer englischen Oper sind in diesem Rundblick über neue DVD-Veröffentlichungen von Raritäten des Spielplans fünf französische Bühnenwerke vertreten, aber keine einzige italienische Oper! Da scheint es fast, als gäbe es, was das Musiktheater jenseits des Rheins und seine Dokumentation angeht, großen Nachholbedarf, aber...
