Vor dem Gipfel
Seit vielen Jahren gilt Lawrence Brownlee als herausragender Spezialist für die italienische Oper des frühen 19. Jahrhunderts, für jene Werke, die oft allzu pauschal als «Belcanto-Repertoire» bezeichnet werden. Nach einem reinen Rossini-Album (siehe OW 3/2015) legt der Tenor jetzt eine Sammlung von Arien Bellinis und Donizettis vor, wiederum begleitet vom Orchester der litauischen Stadt Kaunas unter der Leitung von Constantine Orbelian.
Charakteristisch für die Musik Bellinis und Donizettis ist die Reduktion der virtuosen Koloraturen, die Rossini noch von Frauen- und Männerstimmen forderte, die von den Vertretern der italienischen romantischen Oper aber zu einer spezifischen Ausdrucksform fragiler Primadonnenfiguren entwickelt wurden. Die Arien, die Brownlee auf seinem neuen Album vorstellt, bieten dem Sänger daher keine Gelegenheit, die herausragende Agilität seiner Stimme zur Geltung zu bringen, wie er sie bei Rossini demonstrieren konnte. Arien wie «Ange si pur» aus Donizettis «La Favorite» oder «A te, o cara» aus Bellinis «I puritani» verlangen vor allem vollkommenes Legato, Tonschönheit und Phrasierungskunst.
In allen drei Disziplinen erweist sich Brownlee als Meister seines ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Thomas Seedorf
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