Natürliche Autorität

Er dachte, was er sang, und fühlte, was er dachte – zum Tod von Kurt Moll

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Bescheidenheit blieb seine Zier. Kurt Moll war ein Star, der in Tokio genauso Beifallsstürme auslöste wie in München oder Wien. Seine Residenzen an der Metropolitan Opera dauerten bisweilen so lang, dass seine Kinder in New York auf die Schule gingen. Dennoch war ihm eitles Gehabe fremd. Er kannte Kollegen, mit denen er einmal gesungen hatte, selbst nach Jahren noch – auch solche, die weit weniger erfolgreich waren als er. Er blieb nach den größten «Rosenkavalier»-Abenden bei den Salzburger Festspielen auf dem Boden.

Man spürte wie glücklich er war, sein Lächeln ging nach innen, es hatte nichts von einer Maske.

Seine Bescheidenheit hatte mit Klugheit zu tun im Sinne einer sensiblen Selbsteinschätzung. Der Verlockung, den Hans Sachs der «Meistersinger» zu übernehmen, widerstand er erfolgreich. Obwohl das Angebot von Karajan himself kam. «Wenn Sie den singen, geben Sie mir fünf Minuten vorher Bescheid», habe ihm der Maestro gesagt, erzählte mir Kurt Moll in einem Interview für diese Zeitschrift. Die Antwort: «Da brauchen Sie nicht zu warten bis fünf Minuten vorher. Schon heute sage ich Ihnen, dass ich die Rolle nicht singen werde.» Auch den Hagen in «Götterdämmerung» hat Kurt Moll ...

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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Stephan Mösch

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