Natürliche Autorität
Bescheidenheit blieb seine Zier. Kurt Moll war ein Star, der in Tokio genauso Beifallsstürme auslöste wie in München oder Wien. Seine Residenzen an der Metropolitan Opera dauerten bisweilen so lang, dass seine Kinder in New York auf die Schule gingen. Dennoch war ihm eitles Gehabe fremd. Er kannte Kollegen, mit denen er einmal gesungen hatte, selbst nach Jahren noch – auch solche, die weit weniger erfolgreich waren als er. Er blieb nach den größten «Rosenkavalier»-Abenden bei den Salzburger Festspielen auf dem Boden.
Man spürte wie glücklich er war, sein Lächeln ging nach innen, es hatte nichts von einer Maske.
Seine Bescheidenheit hatte mit Klugheit zu tun im Sinne einer sensiblen Selbsteinschätzung. Der Verlockung, den Hans Sachs der «Meistersinger» zu übernehmen, widerstand er erfolgreich. Obwohl das Angebot von Karajan himself kam. «Wenn Sie den singen, geben Sie mir fünf Minuten vorher Bescheid», habe ihm der Maestro gesagt, erzählte mir Kurt Moll in einem Interview für diese Zeitschrift. Die Antwort: «Da brauchen Sie nicht zu warten bis fünf Minuten vorher. Schon heute sage ich Ihnen, dass ich die Rolle nicht singen werde.» Auch den Hagen in «Götterdämmerung» hat Kurt Moll ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Stephan Mösch
Endlich ist Mieczysław Weinberg am Bolschoi Theater angekommen. Mit seiner Dostojewski-Oper «Der Idiot». Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod und fast 50 Jahre nach einem ersten Anlauf. Damals, im verhängnisvollen Jahr 1968, als sowjetische Panzer den Prager Frühling beendeten, stand «Die Passagierin» auf dem Premierenplan, man probte bereits. Doch dann wurde die...
«Chi a una sola è fedele verso l’altre è crudele», sagt Don Giovanni zu Beginn des zweiten Aktes zu Leporello: Wer einer einzigen treu bleibe, sei grausam zu allen anderen. Bei Seho Chang in Linz wirkt dies irgendwie drollig, denn der Koreaner ist von der Erscheinung her eher rundlich-knuddelig. Möglicherweise appelliert er an den Mutterinstinkt – ein nicht zu...
Errare humanum est. Menschen irren, und das ist auch gut so. Ohne Irrtümer gibt es keine Erkenntnis, ohne Fehler wird man selten klug. Die Kritik bildet da keine Ausnahme. Wer urteilt, kann falschliegen. Wer wertet, kann danebenzielen. Kritiker, zumal solche, die sich mit Musik beschäftigen, der flüchtigsten aller Künste, bewegen sich auf instabilem Terrain....
