Vor dem Abflug
Mit der Klassik geht es bergab, das Interesse schwindet, das Publikum stirbt weg. So die gängige Meinung. Beim vom Internationalen Musikzentrum Wien (IMZ) organisierten Fachtreffen «Avant-Première» von Musikfilmproduzenten, Vertriebs- und Fernsehleuten war nun etwas anderes zu hören. «Wir befinden uns eindeutig in einer Zeit des radikalen Wandels, was die Art des Musikkonsums angeht», sagt ein Kenner der Szene in einer Filmdokumentation mit dem bezeichnenden Titel «Classical Music for Everybody». Und wohin die Reise geht, wird auch gleich verraten: in Richtung Popularisierung.
Das kann man beklagen, weil damit die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk zugunsten einer Breitenwirkung vernachlässigt wird. Man kann es aber auch positiv sehen, als Beitrag zur notwendigen Erschließung neuer Publikumsschichten, aus denen vielleicht eines Tages wieder qualifizierte Hörer hervorgehen.
Wie sie sich auf diesen Wandel einstellen soll, scheint die Branche allerdings noch nicht so recht zu wissen. Man wartet auf den großen Boom, den die audiovisuelle Ära auch dem Klassikfilm bescheren könnte, und hortet derweil eifrig Rechte an neuen und alten Produktionen. Besonders im Bereich der Oper, ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Max Nyffeler
Stanislaw Lem sah die vielen Bearbeitungen seines Sci-Fi-Romans «Solaris» von 1961 mit Skepsis. «Alles Interessante an meinem Roman bezog sich auf das Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz – nicht auf irgendwelche zwischenmenschlichen Liebesgeschichten», bemerkte er 2001 zu Steven Soderberghs Verfilmung. Selbst Tarkowskis...
Die Hoffnung, dass alles schon irgendwie gutgehen wird – in Annie Proulx’ Wyoming-short stories wird sie kunstvoll langsam, aber gnadenlos zermalmt. Vielleicht ist es das, was Charles Wuorinen bei der Veroperung von «Brokeback Mountain» (siehe OW 3/2014) mit seinen unwirschen Orchestertexturen einfangen wollte. Sie treffen den Nerv der zermürbenden Streitereien,...
Ein «Mozart»-Orchester wünschte sich Mauricio Sotelo für Lorca. Kleiner Streicherkorpus (vier Violinen, drei Bratschen, drei Celli, Kontrabass), charakteristisches Holz (zwei Flöten, drei Klarinetten, Oboe und Fagott). Das Blech (zwei Hörner, zwei Posaunen, Trompete) ist um eine Tuba erweitert. Dazu zwei Harfen, Pianoforte (bzw. Celesta), Pauken. Das ist der «alte»...
