Von Wagner zu Hitler – und mittendrin: Isolde
Der Bedarf an Biografien namentlich weiblicher Verwandter von berühmten Persönlichkeiten speist sich vermutlich vor allem aus zwei Quellen: Erstens liegen über Thomas Mann, Johann Wolfgang von Goethe und eben Richard Wagner so zahl- und umfangreiche Bücher vor, dass eine Erweiterung des Blicks aus der Verlegenheit ständiger Wiederholungen heraushelfen kann.
Zweitens ermöglicht der Blick auf die Biografien von Ehefrauen, Schwestern, Töchtern und so weiter, all das wahrzunehmen, was im Glanzlicht der (männlichen) Prominenz in Vergessenheit geriet; ungeschriebene Frauenbiografien entstehen somit gewissermaßen «automatisch» neu.
Bei glücklichem Verlauf ergeben sich daraus individuelle und zugleich exemplarische Geschichten, Panoramen ihrer Zeit sowie neue Details und Facetten – auch die zentralen Figuren des Ganzen betreffend. Hier heißt das zum Beispiel, Richard Wagner als liebenden Vater zu erleben, der sich nach dem kranken «Loldchen» erkundigt, «diesem wunderlichen Wunderkind», in dessen Haus «viel gelesen, gespielt und phantasiert» wird und dem es fernliegt, seine erste Tochter auszubooten, wie es seine Witwe nachher unternimmt. Es dürfte auch der spektakuläre und entsprechend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Judith von Sternburg
Claudio Monteverdis venezianisches Spätwerk «Il ritorno d’Ulisse in patria» liegt seit Nikolaus Harnoncourts bahnbrechender Einspielung aus dem Jahr 1971 in zahllosen Aufnahmen vor. Wer sich dieser erdrückenden Konkurrenz ernsthaft stellen will, muss etwas Neues zu sagen haben! Wie der französische Dirigent Stéphane Fuget, der bisher hauptsächlich mit geistlichen...
EMDR («Eye Movement Desensitization and Reprocessing») ist eine gängige Psychotherapiemethode, bei der der Therapeut Fingerbewegungen vor den Augen des Patienten vollführt, während dieser sich an bestimmte traumatische Situationen seines Lebens erinnert. Durch das Verfolgen der Bewegungen geben die Augen gewisse Reize an das Hirn weiter. Traumatische Erlebnisse...
Brahms lieben? Auf Françoise Sagans klassische Frage gibt es seit jeher, was sein Vokalschaffen betrifft, die klassische Antwort: Nein danke, das wäre zu viel verlangt! Zwar werden seine Symphonien häufiger aufgeführt als die von Schubert und Schumann und auch die Kammermusikwerke erfreuen sich höchster Wertschätzung. Doch, was Brahms für die menschliche Stimme...
