Abenddämmerung
Brahms lieben? Auf Françoise Sagans klassische Frage gibt es seit jeher, was sein Vokalschaffen betrifft, die klassische Antwort: Nein danke, das wäre zu viel verlangt! Zwar werden seine Symphonien häufiger aufgeführt als die von Schubert und Schumann und auch die Kammermusikwerke erfreuen sich höchster Wertschätzung. Doch, was Brahms für die menschliche Stimme schrieb, rangiert mit Ausnahme des «Deutschen Requiems» und der «Vier ernsten Gesänge» in der Aufführungshäufigkeitsstatistik weit hinter den beiden großen Romantikern.
Die überschaubaren Zahlen resultieren einerseits aus dem – im Vergleich zu Orchesterkonzerten – Rückgang von Liederabenden, andererseits aus der Politik von Veranstaltern und Agenten. Gelingt es einer Sängerin oder einem Sänger, einen solchen Liederabend zu organisieren, dann muss es Schubert oder Schumann sein – oder zumindest Richard Strauss. Andernfalls käme kein Mensch, so die Begründung.
Der Tonträgermarkt widerlegt das. Die Gesamtaufnahme aller Brahms-Lieder mit Fischer-Dieskau und Barenboim fand damals durchaus ihre Interessenten, ebenso die Wiederauflage einer Gesamteinspielung mit Juliane Banse, Iris Vermillion und Andreas Schmidt. Wenn jetzt die ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Volker Tarnow
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