Abenddämmerung
Brahms lieben? Auf Françoise Sagans klassische Frage gibt es seit jeher, was sein Vokalschaffen betrifft, die klassische Antwort: Nein danke, das wäre zu viel verlangt! Zwar werden seine Symphonien häufiger aufgeführt als die von Schubert und Schumann und auch die Kammermusikwerke erfreuen sich höchster Wertschätzung. Doch, was Brahms für die menschliche Stimme schrieb, rangiert mit Ausnahme des «Deutschen Requiems» und der «Vier ernsten Gesänge» in der Aufführungshäufigkeitsstatistik weit hinter den beiden großen Romantikern.
Die überschaubaren Zahlen resultieren einerseits aus dem – im Vergleich zu Orchesterkonzerten – Rückgang von Liederabenden, andererseits aus der Politik von Veranstaltern und Agenten. Gelingt es einer Sängerin oder einem Sänger, einen solchen Liederabend zu organisieren, dann muss es Schubert oder Schumann sein – oder zumindest Richard Strauss. Andernfalls käme kein Mensch, so die Begründung.
Der Tonträgermarkt widerlegt das. Die Gesamtaufnahme aller Brahms-Lieder mit Fischer-Dieskau und Barenboim fand damals durchaus ihre Interessenten, ebenso die Wiederauflage einer Gesamteinspielung mit Juliane Banse, Iris Vermillion und Andreas Schmidt. Wenn jetzt die ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Volker Tarnow
Nun also auch Basel. Mehr als 40 trübe Jahre lang hat man Wagners «Ring» in der schmucken Universitätsstadt nicht mehr gesehen. Und weil Benedikt von Peter, Intendant des dortigen Theaters, das Großformatig-Diskursive liebt, begnügt er sich nicht einfach mit einer Neuinszenierung der Tetralogie, sondern stockt die ambitionierte Unternehmung gleich zu einem...
Von der Weser bis zur Elbe, von dem Harz bis an das Meer» – so beginnt das «Das Lied der Niedersachsen». Und am Ende des zitierten Ausschnitts steigt man am besten auch schon wieder aus der Lektüre aus, folgen doch fast nur noch Nationalismen, die das Niedermetzeln einstmaliger Gegner feiern. Wesentlich feinsinniger gehen heuer die niedersächsischen Theater zu...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich habe ganz schrecklich geweint in der «Jenůfa»-Inszenierung von Calixto Bieito in Stuttgart – nicht ahnend, dass ich kurz darauf in genau dieser Produktion als Jano debütieren sollte. Danach eher selten. Gut, Rodolfos «Aufschrei» ist schon herzzerreißend. Und manchmal bin ich auch nahe der Rührung, weil Musik ab und an...
