Wegweisend
Claudio Monteverdis venezianisches Spätwerk «Il ritorno d’Ulisse in patria» liegt seit Nikolaus Harnoncourts bahnbrechender Einspielung aus dem Jahr 1971 in zahllosen Aufnahmen vor. Wer sich dieser erdrückenden Konkurrenz ernsthaft stellen will, muss etwas Neues zu sagen haben! Wie der französische Dirigent Stéphane Fuget, der bisher hauptsächlich mit geistlichen Werken von Couperin und Lully hervorgetreten ist.
Gemeinsam mit seinem Ensemble Les Épopées und famosen Solistinnen und Solisten schafft er einen Neuzugang zum recitar cantando, jenem für die italienische Oper des Frühbarock charakteristischen Deklamationsstil zwischen Singen und Sprechen, der über das gewöhnliche Sprechen hinausgeht und doch «unterhalb» des Gesangs verbleibt. Er findet ihn, mit überzeugenden Quellennachweisen, in der Mikrointervallik jenseits der exakten Wiedergabe der musikalischen Notation, in den «Schönheiten und Feinheiten, die nicht geschrieben werden können», wie es bereits 1600 im Vorwort zu Jacopo Peris «L’Euridice» heißt.
Ziel seiner Wiedergabe ist nicht der wie immer geartete «schöne» Gesang des hochbarocken Belcanto, sondern ein Reichtum an Stimmbeugungen, Redeflüssen und Affekten, die, ganz ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 29
von Uwe Schweikert
Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal...
Pauline Viardot war eine der großen Künstlerfiguren des 19. Jahrhunderts. Als Tochter einer weitgereisten spanischen Sängerfamilie, Schwester der berühmten Diva Maria Malibran und des nicht minder berühmten Gesangslehrers Manuel García junior schien ihr Weg vorgezeichnet. Doch die Viardot wollte, als Schülerin Reichas und Liszts, Komponistin werden und wurde es...
Das Feuer: Zweck und Ende», schreibt Regisseur Cesare Lievi über Verdis «Il trovatore», diese «opera notturna», in der alles schon eingeäschert scheint, bevor es überhaupt beginnt. Für das Teatro del Maggio Musicale Fiorentino hat Lievi das Dramma lirico in ein aschegraues Schauermärchen mit Horrorfilmanleihen verwandelt. Krisselig-düster flimmert die Leinwand im...
