Tunnel des Wahnsinns
EMDR («Eye Movement Desensitization and Reprocessing») ist eine gängige Psychotherapiemethode, bei der der Therapeut Fingerbewegungen vor den Augen des Patienten vollführt, während dieser sich an bestimmte traumatische Situationen seines Lebens erinnert. Durch das Verfolgen der Bewegungen geben die Augen gewisse Reize an das Hirn weiter. Traumatische Erlebnisse sollen so schneller verarbeitet werden. (Aus eben jenem Grund werden stationär aufgenommene Depressionspatienten auch jeden Morgen zum Jogging im Klinikpark angehalten. Bewegung tut gut. Auch dem Hirn.
) Im Musiktheater hingegen geht es für den Zuschauer nicht um «Abstand», um schnelle Verarbeitung, sondern eher um das Gegenteil: um Immersion, Fokus. Und so vermag das Bühnenbild im Theater Erfurt – erfunden, konstruiert und erlebbar gemacht von Daniel Bianco und Carmen Castañón – im Zeichen der neuen «Elektra»-Produktion eben diesen Fokus zu gewährleisten. Gebannt schauen wir die knapp zwei Stunden des Strauss-Hofmannsthal-Coups von 1909 auf eine virtuose Variation des «Götz-Friedrich-Tunnels»; nur dass dieser hier in Thüringens Hauptstadt am Ende einen Schlenker macht und zudem weniger auf den Eindruck von «Zeitlosigkeit» ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Arno Lüxker
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich habe ganz schrecklich geweint in der «Jenůfa»-Inszenierung von Calixto Bieito in Stuttgart – nicht ahnend, dass ich kurz darauf in genau dieser Produktion als Jano debütieren sollte. Danach eher selten. Gut, Rodolfos «Aufschrei» ist schon herzzerreißend. Und manchmal bin ich auch nahe der Rührung, weil Musik ab und an...
Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal...
Le Voyage dans la Lune» ist nach «La Périchole» und «Maître Pé-ronilla» die dritte Operette Jacques Offenbachs, die das Palazzetto Bru Zane in seiner der französischen Oper gewidmeten CD-Buchreihe vorlegt. Die 1875 am Pariser Théâtre de la Gaîté uraufgeführte Opéra-féerie war einer der wenigen Sensationserfolge des späten Offenbach und wurde 186 Mal am Stück...
