Von Träumen und Alpträumen
Edgar Allan Poes bekanntestes Schauergedicht «The Raven» hat immer wieder Künstler zur Auseinandersetzung herausgefordert. Dichter wie Harry Mulisch, Filmregisseure wie Roger Corman oder Popmusiker wie Alan Parsons bedienten sich bei Poes merkwürdiger Geschichte eines Menschen, der seinen Partner verloren hat und in einer mysteriösen nächtlichen (Alp-)Traumbegegnung einen unheimlichen Raben trifft.
Dass ausgerechnet der Japaner Toshio Hosokawa den okkulten Text des amerikanischen Krimi-, SciFi- und Horror-Pioniers als Vorlage für eine einstündige Oper aussucht, überrascht zumindest auf den ersten Blick. Doch der Komponist verweist auf eine Seelenverwandschaft des Stoffs zum japanischen Nõ-Theater mit seiner Abstraktion und seinem strengen Masken-Symbolismus.
Im März war das Monodrama in Brüssel als konzertante Version uraufgeführt worden. Parallel wurde im Grand Théâtre Luxemburg eine szenische Fassung ausgearbeitet. Ein logischer Schritt, verspricht doch das Traumerlebnis hinreichend visuelle Effekte für eine Umsetzung auf der Opernbühne.
In einem wesentlichen Punkt hat Hosokawa die Poe-Vorlage variiert: Der Ich-Erzähler ist bei ihm eine Frau, mit packender Präsenz deklamiert, ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Dieter Lintz
Domenico Barbaja muss einen guten Riecher gehabt haben, als er den noch unbedeutenden Neuling Vincenzo Bellini, dessen Anfängerarbeiten nur wenig überragendes Talent erkennen ließen, für eine Premiere an der Mailänder Scala unter Vertrag nahm. Dort erlebte dessen dritte Oper «Il pirata» am 27. Oktober 1827 eine triumphale Premiere, der sich 13 Wiederholungen...
God save our gracious Queen. Aus dem Schaufenster eines Souvenirladens an der Piazza von Covent Garden sehen wir im Vorbeigehen die Königin winken, ein putziges Figürchen, angetrieben über eine Solarzelle; das Winken scheint daher endlos, vielleicht noch mal eine diamantene Spanne lang. Im Royal Opera House blicken wir dann auf die andere Langzeitdienerin am...
«Erich, nix baden – komponieren!», so sprach (laut Überlieferung durch Karl Böhm) einst während eines Urlaubsaufenthaltes am Wörthersee der gestrenge Wiener Musikkritiker Julius Korngold zu seinem noch unmündigen Sohn Erich Wolfgang. Das Resultat war die Renaissance-Tragödie «Violanta» – nach der Konversationskomödie «Der Ring des Polykrates» bereits die zweite...
