Ströme des Bewusstseins
Bekanntlich leidet die Neue Musik darunter, wenn sie von Interpreten, die in der klassischen Vokalmusik nicht reüssieren konnten, als Refugium aufgesucht wird. Ohne das «über die Wiedergabe hinausgehende, selbstständige Moment der vokalen Sprache beim Interpreten ist gerade die Objektivität des Werkes nicht zu realisieren». Bestätigt wird diese Überlegung Adornos (in: «Zu einer Theorie der Musikalischen Interpretation») durch Christian Gerhahers Aufnahme von Schönbergs «Buch von den hängenden Gärten» und Bergs Altenberg-Liedern.
Es war eine sinnreiche Idee der Interpreten, die beiden wegweisenden Zyklen der Zweiten Wiener Schule mit einem Schlüsselwerk der Ersten Wiener Schule kontrastierend zu verbinden: mit Beethovens Zyklus «An die ferne Geliebte», dem ersten richtigen Liederkreis. Die entscheidenden Wechsel und Übergänge von Tonarten und Tempo, durch welche die Lieder zyklisch gebunden werden, sind den Händen des Pianisten anvertraut – an keiner Stelle so eindringlich wie beim Übergang vom dritten Lied («Leichte Segler») in das vierte («Diese Wolken»). Unter einer gehaltenen Note des Sängers – auf dem Wort «Zahl» – gilt es für den Pianisten, ein neues Tempo zu setzen. Christian ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs, Seite 24
von Jürgen Kesting
Wie konfus Kulturpolitik in heutigen Krisenzeiten agiert, lässt sich schön am Modell der Opernehe sehen. In Düsseldorf/Duisburg stand das seit 56 Jahren erprobte Rheinopern-Konstrukt wieder einmal auf der Kippe, die hoch verschuldete Stadt Duisburg wollte raus aus der (für sie auch finanziell durchaus vorteilhaften) Ehe. Nach zähem Ringen soll es nun doch...
In der Wüste bekommt man schnell ein Gefühl dafür, was wichtig und was unwichtig ist. Meinungsvielfalt und Streitlust schmelzen unter der erbarmungslosen Sonne hinweg, die Wüste zwingt zu klaren Entscheidungen. Nicht ohne Grund ist hier der Monotheismus entstanden, der nur einen Gott zulässt. Die Wüste fördert Konzentration und Klarheit des Geistes. So gesehen ein...
Wer sich derzeit Erl vom Eingang des Inntals nähert, den fesselt ein doppelter Blickfang. Links wie gewohnt das kühn geschwungene, weiße Passionsspielhaus, seit 1997 auch Heimat der Tiroler Festspiele und im Juli Schauplatz des neuen «Lohengrin». Rechts der flache, schnittige schwarze Bruder, der auf vorab verbreiteten Computer-Animationen aussieht wie die...
