Von Hass und Rache zerrissen
Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé kauern – die Tochter des korinthischen Königs Créon, um derentwillen der eidbrüchige Karrierist Jason Médée verlassen hat. Die tief verstörte, vom Vater zur arrangierten Ehe gezwungene Dircé glaubt nicht an ihr Glück.
Während man ihr das Hochzeitskleid überstülpt, will sie sich die Pulsadern öffnen, woran sie von ihren Hofdamen, eher Pflegerinnen als Dienerinnen, gehindert wird. Später wird sie sich tatsächlich umbringen. Médée selbst ist, wie in Christa Wolfs Roman, von dem Stöppler entscheidende Anregungen ihrer Deutung bezieht, eine Frau zwischen zwei Welten, die die Erinnerung an das heimatliche Kolchis nicht abschütteln kann, sich in Korinth, das sie wie ein Gefängnis umgibt, aber ausgegrenzt und verfolgt fühlt.
Stöppler legt hinter den privaten Emotionen, dem Liebesverrat Jasons und der von Hass und Rache zerrissenen ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert
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