Zeitlos aktuell
Von den drei überlieferten Opern Claudio Monteverdis hatte «Il ritorno d’Ulisse in patria» die geringste Breitenwirkung. Homers Dramenstoff um die späte Heimkehr des Odysseus in sein Königreich Ithaka, wo nur noch die treue Gattin Penelope und der Sohn Telemach an seine Wiederkunft glauben, ist bis heute aktuell. Man denke etwa an die Soldaten, die zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus russischer Kriegsgefangenschaft in eine fremd gewordene Heimat zurückkehrten.
Wenn Penelope ihren bewegenden Klagegesang «Di misera Regina» zu Beginn des ersten Akts anstimmt, drängt sich die Erinnerung an jene Frauen auf, die verzweifelt auf ihre Männer warteten. Auch 375 Jahre nach seiner Uraufführung klingt in Monteverdis Meisterwerk die bittere Realität einer friedlosen Welt an – trotz des glücklichen Ausgangs.
Martin Pearlman, Gründer und musikalischer Leiter des Ensembles Boston Baroque, hat auf Basis des überlieferten Notenmaterials eine eigene Fassung erstellt. Deren markanteste Merkmale: die Stringenz des Handlungsbogens und eine äußerst farbige Instrumentierung. Die Mitwirkenden konnten sich im April 2014 bei zwei halbszenischen Aufführungen in Boston auf diesen Mitschnitt ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Detmar Huchting
Die diesjährige Operngabe des Mainfranken Theaters zum Würzburger Mozartfest erinnerte zwar weniger an die Musiktheatersphäre Mozarts als an das erst vorsichtig der barocken Repräsentativdramaturgie entwachsende Bühnenschaffen Haydns. Dennoch war es anregend, mit einem einst erfolgreichen Werk des venezianischen Meisters Baldassare Galuppi (1706-1785) Bekanntschaft...
Der Mozart-Opern-Zyklus unter Yannick Nézet-Séguin schreitet fort. Mit der «Entführung aus dem Serail» freilich wird man nicht wirklich froh. Es liegt nicht am Orchester. Das Chamber Orchestra of Europe spielt äußerst fidel und sängerfreundlich, phrasiert flexibel und farbig. Die beiden weiblichen Hauptrollen sind erfreulich besetzt, auch wenn Diana Damrau als...
Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé...
