Im Zwielicht
Alle müsste man sie zusammenspannen, diese Frauen. In einer Debattenrunde, wo sie sich austauschen könnten über ihre Männer, ihre Geliebten, Söhne oder Väter, mehr noch: über das enge, gefährliche Geflecht aus Tradition, Konvention, auch aus selbstverschuldeter Passivität. Insofern ist da eine illustre Runde bei den Münchner Opernfestspielen zusammengekommen. Und vielsagend ist es, wie die Damen auf Geheiß ihrer Regisseure reagieren. Mélisande eigentlich gar nicht (was an einer Inszenierung aus dem Eisfach liegt).
Selma Jezková mit einem entschlossenen Gang nicht zum Strang, sondern ins Off. Jephtha mit der Auffächerung ihrer Person zur fantasievollen Performance. Und Arabella auf Geheiß von Andreas Dresen mit einer kurzen, überraschenden Handbewegung – schon hat Mandryka das Wasser nicht im Schlund, sondern im Gesicht.
Dresen, mit «Halbe Treppe» oder «Halt auf freier Strecke» erfolgreich abonniert auf die kleine, feine, fast dokumentarisch wirkende Kino-Groteske und mit Mozart schon opernerprobt, wäre von sich aus nie auf Hochkulinarik à la Strauss gekommen. Erst recht nicht an einem Haus wie der Bayerischen Staatsoper, wo bei «Arabella» seit Jahrzehnten die Aficionados in ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Markus Thiel
Das Interesse an Barockmusik ist in den letzten 25 Jahren enorm gestiegen», sagt Christophe Rousset in der Brasserie Excelsior und fährt mit einem Hauch Bitterkeit in der Stimme fort: «Aber die französische hat’s immer noch schwer. Das Rameau-Jahr zum Beispiel hat praktisch keine Spuren hinterlassen. ‹Platée› gibt es ja immer mal, doch das war auch schon vorher so....
Der Vorrat vernachlässigter Komponisten der französischen (Früh-)Romantik scheint unerschöpflich. Dass diese Epoche heute zunehmend wiederentdeckt wird, verdankt sich einem Geschmackswandel, der Heiterkeit, Eleganz und Ironie nicht mehr mit Oberflächlichkeit gleichsetzt. Viele Ausgrabungen gehen aber direkt auf das Konto der dieses Terrain systematisch sondierenden...
Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé...
