Im Zwielicht
Alle müsste man sie zusammenspannen, diese Frauen. In einer Debattenrunde, wo sie sich austauschen könnten über ihre Männer, ihre Geliebten, Söhne oder Väter, mehr noch: über das enge, gefährliche Geflecht aus Tradition, Konvention, auch aus selbstverschuldeter Passivität. Insofern ist da eine illustre Runde bei den Münchner Opernfestspielen zusammengekommen. Und vielsagend ist es, wie die Damen auf Geheiß ihrer Regisseure reagieren. Mélisande eigentlich gar nicht (was an einer Inszenierung aus dem Eisfach liegt).
Selma Jezková mit einem entschlossenen Gang nicht zum Strang, sondern ins Off. Jephtha mit der Auffächerung ihrer Person zur fantasievollen Performance. Und Arabella auf Geheiß von Andreas Dresen mit einer kurzen, überraschenden Handbewegung – schon hat Mandryka das Wasser nicht im Schlund, sondern im Gesicht.
Dresen, mit «Halbe Treppe» oder «Halt auf freier Strecke» erfolgreich abonniert auf die kleine, feine, fast dokumentarisch wirkende Kino-Groteske und mit Mozart schon opernerprobt, wäre von sich aus nie auf Hochkulinarik à la Strauss gekommen. Erst recht nicht an einem Haus wie der Bayerischen Staatsoper, wo bei «Arabella» seit Jahrzehnten die Aficionados in ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Markus Thiel
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Ein Adliger schwängert ein Bauernmädchen und lässt es dann sitzen. Drei Akte lang hofft die Verlassene auf seine Rückkehr, doch als sie Zeugin seiner Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut wird, stürzt sie sich von einem Felsen. Gerade erst hat Regisseur Michael Sturm Stanislaw Moniuszkos 1858 uraufgeführte «Halka» am Pfalztheater Kaiserlautern vorsichtig...
Als der 24-jährige Bohuslav Martinu 1923 nach Paris kam, um bei Albert Roussel weiter Komposition zu studieren, begann eine der faszinierendsten künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, ein Weg des ständigen Oszillierens zwischen nostalgisch-folkloristischen Einflüsterungen, Erinnerungen, Sehnsüchten und modernistisch-urbanen, gleichsam kosmopolitischen...
