Von gestern auf morgen
Der Satz hat Berühmtheit erlangt: «Es ist Mord!» Damit endet Ingeborg Bachmanns Roman «Malina», auf dem die gleichnamige Oper von Karola Obermüller und Peter Gilbert basiert. Frappierend daran ist, wie sehr man sich bei der Uraufführung des Werks bei den Schwetzinger Festspielen (in einer Produktion des Theaters Aachen) förmlich hineingezogen fühlt in den tödlichen Konflikt, der auf der Bühne verhandelt wird.
Bachmanns einziger vollendeter Roman aus dem fragmentarischen «Todesarten»-Projekt rückt Gewaltstrukturen im Alltag in den Blickpunkt: den Kampf der Geschlechter in einem patriarchalen System. Die Ursprünge des Faschismus verortet die Autorin im Privaten, in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Tina Hartmanns Libretto zum Musiktheater «Malina» orientiert sich eng an der Buchvorlage. Deren sprunghafter Charakter, mit all den abrupten Bild- und Szenenwechseln, in denen sich konkrete Alltagsszenen, Erinnerungen, Traumsequenzen, Märchen und Briefauszüge mischen, bestimmt auch die Dramaturgie der Oper. Zwischen einer namenlosen Ich-Erzählerin, ihrem Geliebten Ivan (machohaft dominant: Micah Schroeder) und ihrem männlichen Alter Ego Malina (mit flexiblem Countertenor: Valer ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Silvia Adler, Alexander Dick, Jürgen Otten
Jupiter ruft im zweiten Akt das olympische Dienstpersonal auf, seinem unsterblichen Sohn Pollux vorzuführen, worauf dieser für immer verzichten will. Der aber ist verzweifelt entschlossen, seinen sterblichen Zwillingsbruder aus der Unterwelt zurückzuholen, selbst um den Preis der eigenen Göttlichkeit. Mit Blumenkränzen, Tanz und verführerischer Musik suchen Hébé...
Giacomo Puccinis letzte Oper «Turandot» ist und bleibt ein Fragment – ein grandioses. Wie die Nike von Samothrake. Allein, ihr fehlt nicht der Kopf, sondern ein überzeugender Schluss, nachdem sich Liù aus Liebe zu Calaf erstochen hat. Als ob Puccini ahnte, dass keine dramaturgisch-musikalische Lösung gelänge, die ihm als Künstler und seinem Ruhm entspräche, hatte...
Eine Berliner Einraumwohnung – Wedding, Neukölln, das alte Kreuzberg, wir wissen es nicht. Aber alles ist da: Badzeile, Tisch, Stühle, Bett, eine Tapete mit anfechtbarem Muster. Doch dort sind auch noch Wandschlupflöcher, durch die seltsame Wesen hereingeistern. Meist rückwärts, mit Gespenster-Larven auf dem Hinterkopf. Zwei kleine Grabkreuze dräuen an der Rampe....
