Von gestern auf morgen
Der Satz hat Berühmtheit erlangt: «Es ist Mord!» Damit endet Ingeborg Bachmanns Roman «Malina», auf dem die gleichnamige Oper von Karola Obermüller und Peter Gilbert basiert. Frappierend daran ist, wie sehr man sich bei der Uraufführung des Werks bei den Schwetzinger Festspielen (in einer Produktion des Theaters Aachen) förmlich hineingezogen fühlt in den tödlichen Konflikt, der auf der Bühne verhandelt wird.
Bachmanns einziger vollendeter Roman aus dem fragmentarischen «Todesarten»-Projekt rückt Gewaltstrukturen im Alltag in den Blickpunkt: den Kampf der Geschlechter in einem patriarchalen System. Die Ursprünge des Faschismus verortet die Autorin im Privaten, in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Tina Hartmanns Libretto zum Musiktheater «Malina» orientiert sich eng an der Buchvorlage. Deren sprunghafter Charakter, mit all den abrupten Bild- und Szenenwechseln, in denen sich konkrete Alltagsszenen, Erinnerungen, Traumsequenzen, Märchen und Briefauszüge mischen, bestimmt auch die Dramaturgie der Oper. Zwischen einer namenlosen Ich-Erzählerin, ihrem Geliebten Ivan (machohaft dominant: Micah Schroeder) und ihrem männlichen Alter Ego Malina (mit flexiblem Countertenor: Valer ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Silvia Adler, Alexander Dick, Jürgen Otten
Glückliches Frankreich! Nicht nur haben seine Ensembles, Sängerinnen und Sänger längst die Führungsrolle der historisch informierten Aufführungspraxis übernommen. Mit dem «Centre de musique baroque de Versailles» besitzt das Land zudem eine Institution, die vergessene Schätze der Barockmusik ausgräbt. Jüngste Wiederentdeckung ist die Tragédie en musique «Médée et...
Eine «sachliche» Oper? Nur zu gern würde man es glauben. Doch allein jene tieftraurige Novelle, die Hindemiths «Cardillac», der seit 100 Jahren mehr oder weniger heimatlos geblieben ist, zugrunde liegt, öffnet die Türen zu einer anderen, ganz und gar phantastischen Realität. Mag der Librettist Ferdinand Lion auch an wesentlichen Stellschrauben von E. T. A....
Komponierende Herrscher wie beispielsweise der deutsche Kaiser Leopold I. oder der kriegs- wie kunstlustige Preußenkönig Friedrich II. waren partout keine Ausnahmen. Locker übertroffen aber werden beide Potentaten von Philippe d’Orléans (1674–1723), dem Neffen Ludwigs XIV., dessen Oper «Suite d’Armide ou Jérusalem délivree» das Centre de musique baroque de...
