Viele Fragen offen

Andrea Breths Inszenierung von Puccinis «Turandot» ist in Frankfurt kaum mehr als ein bunter Bilderbogen der Anti-Illusion, Thomas Guggeis weiß auch keinen Rat

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Giacomo Puccinis letzte Oper «Turandot» ist und bleibt ein Fragment – ein grandioses. Wie die Nike von Samothrake. Allein, ihr fehlt nicht der Kopf, sondern ein überzeugender Schluss, nachdem sich Liù aus Liebe zu Calaf erstochen hat.

Als ob Puccini ahnte, dass keine dramaturgisch-musikalische Lösung gelänge, die ihm als Künstler und seinem Ruhm entspräche, hatte er mehrere Monate die Arbeit eingestellt, ist 1924 über dem Schluss gestorben – oder wie es Slavoj Žižek in seinem Buch «Der zweite Tod der Oper» drastischer formulierte: «Puccinis unerwarteter Tod war ein Gottesgeschenk, das es ihm ermöglichte, sein Gesicht zu wahren …». Wie sollte sich so eine Fabel fügen? Zweieinhalb Akte sehen wir eine eiskalte Prinzessin, die jeden potenziellen Ehemann, Geliebten lieber tötet, als eine Nacht mit dem anderen Geschlecht zu verbringen. Eben noch hat Turandot die Sklavin Liù in Andrea Breths – in diesem Moment geradezu naturalistischer – Inszenierung foltern lassen. Als sie sich, um nicht Calafs Namen zu verraten, mit einem Messer, das sie dem neben ihr stehenden Soldaten entrissen hat, selbst richtet, reagiert Turandot mit kalter Konsequenz: Mit eben jenem Messer schlitzt sie dem Bewacher zur Strafe für die Nachlässigkeit die Kehle auf. Breth hat die Quellen studiert – und ins Extrem getrieben. Bei Gozzi und Schiller hatte der Prinzessin eine Peitsche genügt, die sie dem Soldaten ins Gesicht schlug. ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Götz Thieme

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