Dioskuren zwischen Milchstraße und Ursuppe

Tanztheater der Leidenschaften: Rameaus «Castor et Pollux» in Genf und Graz

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Jupiter ruft im zweiten Akt das olympische Dienstpersonal auf, seinem unsterblichen Sohn Pollux vorzuführen, worauf dieser für immer verzichten will. Der aber ist verzweifelt entschlossen, seinen sterblichen Zwillingsbruder aus der Unterwelt zurückzuholen, selbst um den Preis der eigenen Göttlichkeit. Mit Blumenkränzen, Tanz und verführerischer Musik suchen Hébé und ihre Gefolgschaft vergeblich, ihn von den Wonnen des Olymps zu überzeugen.

Wie aus all den Entrées und Airs jenseits der Blumenornamente einen Gedanken gewinnen, der der für die Divertissements typischen Episodenkette Konsistenz verleihen könnte? Der Choreograph Edward Clug wagt in seiner Genfer Inszenierung von Rameaus Tragédie lyrique kühne Assoziationen, die im scheinbar Banalen das Mythische aufscheinen lassen. Wir sehen den Olymp als ein Reich nie versiegender Nahrung, als ein Reich der Fluidität: Milchflaschen anstelle von Nektar und Ambrosia deponiert der Chor verstreut auf dem Boden, formt sie schließlich zum großen bühnenbeherrschenden Ornament einer «Milchstraße», die als ewige Nahrungskette gelesen werden kann. Feine Ironie, die vom Traum ewigen Säuglingsglücks lebt, hält diesen nährenden, flüssigen ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Kalus Heinrich Kohrs

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