Humanversuch
Eine Berliner Einraumwohnung – Wedding, Neukölln, das alte Kreuzberg, wir wissen es nicht. Aber alles ist da: Badzeile, Tisch, Stühle, Bett, eine Tapete mit anfechtbarem Muster. Doch dort sind auch noch Wandschlupflöcher, durch die seltsame Wesen hereingeistern. Meist rückwärts, mit Gespenster-Larven auf dem Hinterkopf. Zwei kleine Grabkreuze dräuen an der Rampe. Einmal fahren Schweinehälften aus dem Schnürboden hernieder.
Und dann gibt es im Bühnenbild von Anne Ehrlich noch diese Galerie, bevölkert von Wesen in anfangs gestreifter Kluft – ein antiker Chor der Gefängnisinsassen, der Leben und Leiden von Franz Biberkopf kommentiert. Vor allem Letzteres: Aus diesem Zimmer, wir ahnen es bald, wird er nie wieder herausfinden.
Ein Albtraum-Raum ist das, in dem sich «Berlin Alexanderplatz» auf eine Art Versuchsanordnung verdichtet. Die szenische Konzentration passt zur Vorgehensweise von Librettistin Christiane Neudecker. Die dampfte Alfred Döblins mal dumpfes, mal wetterleuchtendes Großstadt-Panorama auf wenige Figuren und Schlaglichter ein, mit einer literarischen Freiheit, die aus der überbordenden Vorlage eine funktionierende Opernfassung destilliert. 2022 kam das Stück in Bielefeld ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Markus Thiel
arte
06.06. – 21.45 Uhr
Mozarts Requiem in der Sagrada Família
Das Symphonieorchester und der Chor des Gran Teatre del Liceu (Einstudierung: Pablo Assante) bringen Mozarts d-Moll-Requiem unter Leitung von Giovanni Antonini in Barcelonas berühmtem Wahrzeichen zur Aufführung.
06.06. – 22.35 Uhr
Tenor – Die Geschichte von Pene Pati
Der Film erzählt die Geschichte des...
Wir halten unsere Zeit mit MTT in höchsten Ehren und haben viel von ihm gelernt, (…). Es war eine große Ehre, ihn am Pult zu haben. Er wird uns sehr fehlen.» Es kommt nicht oft vor, dass eine Rockband den Tod eines Dirigenten betrauert. Bei Michael Tilson Thomas hingegen ist das der Fall: «Metallica» meldete sich nach dem Tod des US-Amerikaners würdigend zu Wort....
Eine kühne Verdrehung, und das in Zeiten des verbal triumphierenden Feminismus: Aus «Giulietta e Romeo» wird im oberfränkischen Hof «Romeo und Julia». So heißt bekanntlich Shakespeares Drama, aber die von Riccardo Zandonai verwendeten Quellen setzen die Frau nach vorn. Unter diesem Titel wurde das Werk gedruckt, als «Giulietta e Romeo» gelangte es 1922 in Rom zur...
