Vom Fahrtwind verweht
Michail Glinka war also Antisemit. Und deshalb darf die Berliner U-Bahn-Station «Mohrenstraße» nicht nach der Straße umbenannt werden, in der das Haus liegt, in dem der russische Komponist 1857 starb.
Mit Antisemitismus, Rassismus, Kolonialismus in der Operngeschichte ist es freilich eine vertrackte Sache. In Berlin hält die U-Bahn auch am «Richard-Wagner-Platz». Mit Verlaub: Im Vergleich zu Wagners Pamphlet «Das Judenthum in der Musik» sind Glinkas beiläufige Briefstellen ein Klacks. Zumal man Ähnliches im 19.
Jahrhundert bei sehr vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens finden kann: bei «reinrassigen Ariern» wie Robert Schumann, aber auch bei «jüdischen» Intellektuellen wie Heinrich Heine und Karl Marx.
Aus den Abgründen von U-Bahnhöfen zurück zur Welt der Oper: Darf man nach Corona noch Glinka spielen? Jetzt, nachdem endlich wieder einmal ein Stück von ihm an einem großen Haus zu sehen war («Iwan Sussanin» an der Oper Frankfurt)? Immerhin hat Musiktheater einen Riesenvorteil im Vergleich zum Film – erinnern Sie sich an die Debatte um «Vom Winde verweht»? Es kann in Aufführungen gesellschaftliche Debatten reflektieren, Kritik und Distanzierung einbauen. Da muss man nicht ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Anselm Gerhard
«Beethoven è incazzato», ruft Riccardo Muti ins Orchester, als er am letzten Probentag den Auftakt zum Finale der «Eroica» gibt. Das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini versteht den Maestro und dieses Adjektiv, das in seiner eigenen Giovinezza wohl nicht ganz jugendfrei war, mit «stinksauer» noch milde übersetzt ist, diesem Klangkörper aus den besten...
Das wäre wohl die perfekte, kinoreife Tellerwäscher-Story: Wie der Bauernbub Johann Joseph Fux aus einem kleinen steirischen Dorf nahe der Hauptstadt Graz aufstieg zum höchsten Amt, das Europas Musikwelt damals zu vergeben hatte, dem Hofkomponisten gleich dreier Habsburger Kaiser. Vieles aus dem Leben dieses «Provinzlers» bleibt im Dunklen. Man weiß wohl, dass er...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss angekündigten Musiktheaterpremieren der Monate September/Oktober 2020. Alle Angaben ohne Gewähr! Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theat...
