Volle Herzen
Und dann ist da plötzlich dieses irre Bild. Eine Hochhausfront, hässlich und glatt, die Fassade mausgrau, wie ungewaschene Wäsche; davor ein von Maschendrahtzaun gesäumter Menschenkäfig zur Rechten sowie ein versiffter Treppenaufgang zur Linken. Mittendrin die Protagonisten der Vergeblichkeit, die – eine optische Täuschung macht’ s möglich – größer scheinen als sie sind in der Puppenstube namens Problemkiez, in den Ausstatter Christopher Melching das geschichts- und geschichtenreiche Quartier Latin auf der Bühne des Stralsunder Theaters verwandelt hat.
Erst in der dritten Szene von Puccinis vermeintlichem Schmachtfetzen «La Bohéme» findet Horst Kupich hinaus aus dem Kitschbecken, in dem zuvor seine Arbeit für das Theater Vorpommern relativ ziellos herumwaberte. Jetzt kommt das Stück zu sich und wird evident, dass es sich um eine eher triste Sozialstudie handelt, der nichts von jener schwärmerischen Verklärung anhaftet, die so gerne mit dem Begriff der Bohème in eins gesetzt wird – Realität ist eben etwas doch anderes als die Vorstellung von ihr; war es 1830, 1896 und auch zu jener wildwuchernden Zeit, als in Paris nicht nur die eine (politische) Rebellion versucht wurde, sondern ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten
Frau Fassbaender, Frau Mallwitz, der verstorbene Kulturmanager und Intendant Gerard Mortier hat einmal die Forderung formuliert, Oper müsse ein Ort sein, der gegen die materialistische Gesellschaft vorgeht. Stimmen Sie dem zu? Oder ist Oper einfach nur ein Ort, der stimuliert, sinnliche Erfahrungen produziert, also vor allem kulinarische Bedürfnisse bedient?
B...
JUBILARE
Dietrich W. Hilsdorf studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Danach folgten Regieassistenzen, u. a. bei Hans Neuenfels. Seit 1978 erarbeitete der gebürtige Darmstädter zahlreiche Inszenierungen in den Bereichen Theater, Oper und Musical. Anfang der 1980er-Jahre wandte sich Hilsdorf verstärkt dem...
Gilda und Rigoletto belauschen von draußen, wie sich der Herzog in der Wirtsstube an Maddalena heranmacht: Die zentrale Quartett-Szene im dritten Akt fasst simultanes Geschehen in getrennten Räumen musikalisch zusammen und bringt das Drama damit auf den Punkt. Denn Gilda ist nun gezwungen zu erkennen, wer ihre Entführung aus dem väterlichen Haus veranlasst hat –...
