Volle Herzen
Und dann ist da plötzlich dieses irre Bild. Eine Hochhausfront, hässlich und glatt, die Fassade mausgrau, wie ungewaschene Wäsche; davor ein von Maschendrahtzaun gesäumter Menschenkäfig zur Rechten sowie ein versiffter Treppenaufgang zur Linken. Mittendrin die Protagonisten der Vergeblichkeit, die – eine optische Täuschung macht’ s möglich – größer scheinen als sie sind in der Puppenstube namens Problemkiez, in den Ausstatter Christopher Melching das geschichts- und geschichtenreiche Quartier Latin auf der Bühne des Stralsunder Theaters verwandelt hat.
Erst in der dritten Szene von Puccinis vermeintlichem Schmachtfetzen «La Bohéme» findet Horst Kupich hinaus aus dem Kitschbecken, in dem zuvor seine Arbeit für das Theater Vorpommern relativ ziellos herumwaberte. Jetzt kommt das Stück zu sich und wird evident, dass es sich um eine eher triste Sozialstudie handelt, der nichts von jener schwärmerischen Verklärung anhaftet, die so gerne mit dem Begriff der Bohème in eins gesetzt wird – Realität ist eben etwas doch anderes als die Vorstellung von ihr; war es 1830, 1896 und auch zu jener wildwuchernden Zeit, als in Paris nicht nur die eine (politische) Rebellion versucht wurde, sondern ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten
Dass die wohl berühmteste Theaterliebesgeschichte nicht gut ausgeht, die gerade erst sich anbahnende Mesalliance zwischen Romeo und Julia, ist eigentlich sattsam bekannt. Doch selbst wer Shakespeares berühmtes Drama nicht kennt oder Bernsteins geniale Musical-Version und auch nicht die zahlreichen Verfilmungen, merkt in Aachen schon, wenn der Vorhang sich hebt,...
Ein Hund als Opernheld? Es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt. In Offenbachs opéra bouffe aus dem Jahre 1860 kommt es noch bunter: Der vierbeinige Titelheld tritt gar nicht auf, es wird nur über ihn berichtet. Die wahren Hauptpersonen sind zwei gewitzte Mädchen aus der Stadt Lahore im heutigen Pakistan.
Doch wie kam Offenbach auf den Hund? Nach einigen...
Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner...
