Gebremster Witz

Musikalisch experimentell, dramaturgisch mit Schwächen: «Barkouf», Offenbachs erste «offizielle» Oper, in Straßburg

Opernwelt - Logo

Ein Hund als Opernheld? Es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt. In Offenbachs opéra bouffe aus dem Jahre 1860 kommt es noch bunter: Der vierbeinige Titelheld tritt gar nicht auf, es wird nur über ihn berichtet. Die wahren Hauptpersonen sind zwei gewitzte Mädchen aus der Stadt Lahore im heutigen Pakistan.

Doch wie kam Offenbach auf den Hund? Nach einigen Erfolgen an seinem eigenen Kammertheater hatte er zum ersten Mal einen Auftrag von einem Staatstheater, von der finanzkräftigen Pariser Opéra Comique, erhalten. Altmeister Eugène Scribe zimmerte das Libretto.

Zusammen mit einem jungen Mitarbeiter hatte er sich bei einer bereits 1784 publizierten Erzählung bedient. Im fernen Asien schikaniert ein Großmogul sein Volk, indem er es zwingt, sich vor einem neuen Vizekönig niederzuwerfen: dem Hund Barkouf. Das erinnert ein wenig an den Gessler-Hut; der Stoff stammt nicht zufällig aus den Jahren vor dem Sturm auf die Bastille.

Doch im Zweiten Kaiserreich des Neffen Napoleons schien selbst das zu gefährlich. Beinahe wäre das Stück von der Zensur verboten worden. Kabalen am Theater und gehässige Kritiker gaben Offenbachs Werk den Rest; nach nur acht Aufführungen verschwand es von der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Wer mit den Fleischwölfen heult

Laut landläufiger Meinung muss der Tod ja ein Wiener sein. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn was das vorzeitige Ableben betrifft, bleibt London das unangefochtene Kompetenzzentrum für den stilvollen Exitus. Stephen Sondheim hat mit seinem Musical um Sweeney Todd, den serienmordenden Meisterbarbier aus der Fleet Street, den Mythos noch einmal zementiert:...

Archiv des Wissens

Relativ spät, mit Anfang 40, wendet sich der ungarische Komponist und Dirigent Péter Eötvös intensiv dem Genre Musiktheater zu. Bis zum Ende der 1990er-Jahre entstehen die Opern «Drei Schwestern» und «As I Crossed a Bridge of Dreams»; es folgen im neuen Millennium «Le Balcon», «Angels in America», «Lady Sarashina», «Love and Other Demons», «Die Tragödie des...

Wir sind mehr

Zwei Tage noch bis zum heiligen Fest, und was macht der Himmel über Chemnitz? Er weint: dickkugelige Tränen. Kein Wunder, dass die Trottoirs verwaist sind; nur einige Versprengte eilen mit glühweingeröteten Wangen vorüber. Auch auf dem Theaterplatz ist jetzt, um zehn Uhr abends, keiner mehr, mit dem man man reden könnte. Ringsherum nur dickes Gemäuer, wie in...