Fröhlicher Flaneur
Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner vielfältigen Interessen bildete, so zeugen seine Texte vor allem von dem immensen geistigen Horizont eines Mannes, der sich für Literatur, Malerei, das Kino ebenso begeisterte wie für Architektur, Geschichte – und die Natur.
Ausgestellt hat er diese profund gebildete Weite nie, doch schwingt sie in jeder seiner (oft durch kühne Bilder und Assoziationen belebten) Zeilen mit, die er in schwindelerregendem Tempo produzierte.
Nicht nur in dem kleinen Opernführer «Hohes C und tiefe Liebe», den er 2010 veröffentlichte, 33 brillanten Miniaturen zu Werken von Claudio Monteverdi bis Steve Reich, wird das exemplarisch deutlich: Die Gedanken fliegen freudig und frei, in unterhaltsam geschliffenen Formulierungen. Ob er über Dirigenten, über Symphonik oder tschechische Musik schrieb, die er so sehr liebte – immer ging da ein weise lächelnder ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Albrecht Thiemann
Gute Komödien sind komplexe Kunstwerke. Sie provozieren bitterböses wie befreiendes Lachen, entlocken uns ein Schmunzeln und stimmen doch nachdenklich. «Die verkaufte Braut» ist so eine gute, weil kluge Komödie. Parallel zu den «Meistersingern von Nürnberg» entstanden, avancierte Smetanas Singspiel schnell zur tschechischen Nationaloper, wurde wie Wagners...
Die Rolle, in der er 1952 in Bayreuth debütierte, ist winzig. Hermann Ortel fällt kaum auf, wenn sich Wagners Nürnberger Meistersinger zur «Zunftberatung» treffen. Für den damals gerade 26-jährigen Sänger indes hatten die ersten Worte des Seifensieders besondere Bedeutung: «Immer am Ort.» Theo Adam war ein weltläufiger Lokalpatriot, der seiner Geburts- und...
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz...
