Viele Valeurs
Leider ist Lioba Braun nicht mehr in Bayreuth präsent, singt Ortrud und Brangäne nun in Dresden, Fricka in Neapel oder Venus in Los Angeles. Doch auf ihrer ersten Solo-CD bei Sony sind nun ihre Sieglinde, Kundry, Waltraute und – neben den betörend erotisch, ja strahlend gesungenen Wesendonck-Liedern – auch das «Tristan»-Vorspiel und Isoldes Liebestod als überzeugende musikalische Klammer festgehalten.
Wie schon in Bayreuth überzeugt nicht nur Lioba Brauns samtener, farbenreicher dramatischer Mezzo in Tiefe und Mittellage, sondern auch eine selbst im Piano leuchtende, nie scharfe Höhe. Exzellent artikulierend, mit vielen Valeurs, feinem, nie ausladendem Vibrato und großem Ausdruck singt sie die «Herzeleide-Erzählung» und den «Christus-Monolog» Kundrys. Die Durchschlagskraft ihrer Sieglinde und Waltraute (deren Monologe hier als Erzählungen über Wotan korrespondieren) überzeugt ebenso wie der subtil gesteigerte, schließlich frei flutende «Liebestod». Peter Schneider begleitet mit dem NDR Sinfonieorchester solide und verhalten ausdrucksvoll.
Lioba Braun singt Wagner (Wesendonck-Lieder und Ausschnitte aus «Parsifal», «Die Walküre», «Götterdämmerung», «Tristan und Isolde»).
NDR ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jetzt allmählich kann ich wirklich dirigieren; jetzt weiß ich, wie man umsetzt, was man innerlich hört.» So lautete Wilhelm Furtwänglers Geständnis nach seiner Salzburger «Zauberflöte» im Sommer 1949. Die originalen Rundfunkbänder des «Zauberflöten»-Mitschnitts gingen verloren, wohl aber blieben einige technisch unbefriedigende Kopien erhalten, die immer wieder in...
Keinen Zweifel lassen der kanadische Dirigent Yves Abel und Stephen Medcalf, in vielen Inszenierungen ein Meister der psychologisch raffinierten Aussparung, an der Brutalität der Novelle Mérimées, die von Bizet keineswegs in jenen süßlichen Kitsch pseudospanischer Folklore übersetzt wurde, wie eine lange (schlechte) Tradition es gern sieht. Bizet komponiert Szenen...
Die luzidesten Einsichten zu vermeintlich sattsam Bekanntem, zu scheinbar hoffnungslos Vernutztem haben nicht selten weitab der musikalischen Hauptwege siedelnde Querköpfe – jene Paradiesvögel, die noch in dem banalsten Schlager oder der seifigsten TV-Erkennungsmelodie eine poetische Wahrheit aufspüren.
Das italienische Duo Gianluigi Trovesi (Klarinetten) und...
