Hartes Zigeunerleben
Keinen Zweifel lassen der kanadische Dirigent Yves Abel und Stephen Medcalf, in vielen Inszenierungen ein Meister der psychologisch raffinierten Aussparung, an der Brutalität der Novelle Mérimées, die von Bizet keineswegs in jenen süßlichen Kitsch pseudospanischer Folklore übersetzt wurde, wie eine lange (schlechte) Tradition es gern sieht. Bizet komponiert Szenen (gleich der Anfangschor «Sur la place chacun passe»), die der veristischen Ästhetik des zufälligen Ausschnitts gehorchen.
Bizet mildert nicht, wie seine Librettisten es wollten, das Provokatorische einer amour fou, die Don José desertieren und in Gesetz- und Haltlosigkeit abgleiten lässt. 1875 reagierte die Kritik böse auf die Uraufführung des «obszönen» Werks, auf die «Kakophonie» der Musik. Das ist Geschichte. Gewöhnung und Ohrwürmer haben das Ihre getan. Eine provozierende «Carmen» ist heute fast nicht mehr vorstellbar.
Doch Abel, dem das engagierte und in zwei Jahrzehnten in der Qualität unglaublich gewachsene Opernorchester der sardischen Hauptstadt willig folgt, tut mit harten Kontrasten, kantigen Rhythmen (fabelhaft das Quintett des zweiten Akts), mit Verzicht auf geschöntes Schwelgen das Seine, um diese Patina ...
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Öfter schon kam es vor, dass ein musikalisches Bühnenwerk ohne Bühne aufgeführt wurde. Der umgekehrte Fall ist möglicherweise erstmals beim Opernfestival im toskanischen Städtchen Barga eingetreten. Da fand, verhindert durch einen Gerichtsbeschluss im fernen Düsseldorf, die Aufführung der Musik zu einer mit ihr erarbeiteten und geprobten Inszenierung nicht statt:...
Wer Robert Dean Smith nicht bei seinem Tristan-Debüt in Bayreuth und auch nicht im Rundfunk erlebte, kann dies nun auf der bei Oehms Classics erschienenen Best-of-CD nachholen. Dass das Vergnügen nicht so ungetrübt ist wie auf der Festspielbühne, liegt einerseits daran, dass sich die Stimme in der Bayreuther Akustik leuchtender entfaltete, dort wie die von James...
