Instrumentale Nummernrevue

Opernwelt - Logo

Die luzidesten Einsichten zu vermeintlich sattsam Bekanntem, zu scheinbar hoffnungslos Vernutztem haben nicht selten weitab der musikalischen Hauptwege siedelnde Querköpfe – jene Paradiesvögel, die noch in dem banalsten Schlager oder der seifigsten TV-Erkennungsmelodie eine poetische Wahrheit aufspüren.


Das italienische Duo Gianluigi Trovesi (Klarinetten) und Gianni Coscia (Akkordeon) zählt zweifellos zu diesem Künstlerschlag: Mit anarchischem Entdeckergeist, virtuosem Spielwitz und diebischer Freude an der improvisatorischen Renovierung des vorgefundenen Materials graben sich die beiden Herren seit zehn Jahren durch den Klangfundus – egal, ob die objets trouvés aus der Oper, aus dem Konzertsaal, von der Chanson-Bühne oder vom Marktplatz stammen.
Nun haben sich Trovesi/Coscia einiger Song-Ikonen Kurt Weills angenommen, vor allem aus «Mahagonny», aber auch «Dreigroschenoper» und Broadway schwingen mit. Weill mal nicht als Bearbeitungsvorlage, sondern als Bühne für zwei grandiose Clowns und Geschichtenerzähler, die für jenen mozartischen Mix aus Tragik und Heiterkeit, Tiefsinn und Unterhaltung, den der Dessauer Kantorensohn so effizient wie eigensinnig ins 20. Jahrhundert übersetzte, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: CDs, Seite 67
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
In den Ruinen der Wünsche

Ihm ging die rein musikalische Intelligenz ab, der Widerstand gegen das musikalisch Dumme», wetterte Theodor W. Adorno einst gegen Franz Schreker. Und: «Es ist Musik der Pubertät; selber einer pubertären Seelenlage entsprungen, auf sie eingestimmt, mit allem Trotz unbelehrbarer Reife.» Das harsche Urteil verfehlte nicht seine Wirkung: Nach dem Ende des Zweiten...

Land unter

Aribert Reimanns zweite Oper «Melusine» wurde nach ihrer Uraufführung 1971 in Schwetzingen häufig nachgespielt und wirkte auch in Weimar immer noch frisch. Diese Melusine, die Yvan Goll, von seiner Frau Claire ­inspiriert, 1930 aus der Sagenvorzeit ins zwanzigste Jahrhundert holte, schimmert in Claus H. Hennebergs Lib­retto, vor allem aber in Reimanns Musik in...

Meister des Legato

Ein fast unbemerkter Abschied: Piero Cappuccillis letzter Auftritt in Berlin, Ende der neunziger Jahre in der Philharmonie, bei einem skurrilen Konzert, das ein ehemaliger Tänzer der Deutschen Oper arrangiert hatte. Der versuchte sich als Konzertveranstalter und ging auf Bauernfang: «Erleben Sie die Stars der Mailänder Scala», stand auf den Plakaten. Der Einzige,...