Neuer Zauber, neue Poesie
Im Rahmen eines von Philippe Quesne kuratierten Theaterfestivals in Toulouse habe ich eine Laterna-magica-Vorführung zum Thema «Phantasmagorie» erlebt – in Zeiten von 3D, IMAX, VR und anderen Errungenschaften des technologischen Fortschritts hat mich das Analoge an diesem Vorreiter des Kinos total fasziniert. Als Erfindung des 17. Jahrhunderts wurde die Laterna magica in unterschiedlichen Kontexten – von Unterricht und Wissenschaft über Unterhaltung bis hin zu spiritistischen Séancen – als Dia-Projektor benutzt.
Die Bilder sind mit hitzebeständiger Farbe auf Glasplatten gemalt und werden vor eine Lichtquelle geschoben. Durch überlagerte Glasplatten können auch einfache «Bewegtbilder» entstehen: Tag wird zur Nacht, ein Mensch bekommt einen Eselskopf, der Mond kreist um die Erde. Anne Gourdet-Marès, die dieses Gerät bediente, erzählte im Laufe ihrer Vorführung eine von ihr dazuerfundene Geschichte – und mich ließ der Gedanke nicht los, dass dort Live-Musik als wichtigstes Erzählelement fehlte.
Danach musste man das richtige Team zusammensetzen: Oxana Omelchuk kam für mich als Komponistin sofort in Frage, weil sie kreativ mit Orchestrierung umgeht, klug Elektronik einsetzt, intuitiv ...
ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Polina Sandler
Alles, was Oper kann!», wählte Tobias Kratzer als Motto für seine erste Spielezeit an der Hamburgischen Staatsoper. Alles, was Barockoper kann: So wiederum könnte man David McVicars Inszenierung von Händels «Giulio Cesare in Egitto» überschreiben. 2005, also vor über 20 Jahren, hatte diese Produktion Premiere beim Glyndebourne Festival, Christoph Seuferle, dem...
Da sitzt er nun und blickt geschlagene 125 Jahre vom Hauptmarkt zum Gewandhaus hinüber, einst umgeben von Laubbäumen, heute von parkenden Fahrzeugen, aber nach wie vor den Kopf grüblerisch in die Hand gestützt, eher träumerisch, wie es sich für den größten deutschen Romantiker auch gehört, vielleicht ein wenig ratlos gar, denn ein Opernhaus hat er zu Lebzeiten dort...
Bei der Premiere saß die Claque gut hörbar links im Parkett. Dabei wäre sie gar nicht nötig gewesen, denn in Bern ereignete sich ein kleines Theaterwunder. Auf dem Spielplan stand Verdis «La forza del destino», keine triviale Aufgabe. Am Werk war ein Kreativ-Team um Regisseurin Julia Lwowski. Wer die aus dem Kollektiv «Hauen und Stechen» – was ja gut zu einer...
