Schrecklich schön
Der Horror einer Gespenstergeschichte stellt sich meist ein, wenn das Unheimliche real wird. So auch in Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw»: Die Geister Peter Quint und Miss Jessel werden Wirklichkeit, weil sie singen. In der literarischen Vorlage von Henry James haben sie keine Stimmen, und es bleibt offen, ob sie reine Projektionen der Governess sind, die sich um zwei allein gelassene Kinder auf einem Landgut kümmern muss, oder ob die Untoten Miles und Flora wirklich in ihrer Gewalt haben.
Hinrich Horstkotte ist von der geisterhaften Realität überzeugt.
Mit enormer physischer Präsenz tritt in seiner Inszenierung am Theater Ulm das verwesende Gewesene in Erscheinung und bemächtigt sich der beiden Kinder. Den Knaben Miles führt Quint wie eine Marionette an unsichtbaren Fäden. Wenn er auf dem vor ihm als willenloses Tier Knienden reitet, ist andeutungsreich klar, welch perverse Geheimnisse die beiden miteinander teilen und in welch fürchterlicher Abhängigkeit sich der Kleine befindet. Hier wird Brittens verborgenes Spannungsverhältnis klar: Er liebt diese Knaben und ihre Stimmen, erliegt aber seiner «Neigung» nie, weil er sie durch Kunst sublimiert. Wer Emanuel Dausend als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Bernd Künzig
Jupiter ruft im zweiten Akt das olympische Dienstpersonal auf, seinem unsterblichen Sohn Pollux vorzuführen, worauf dieser für immer verzichten will. Der aber ist verzweifelt entschlossen, seinen sterblichen Zwillingsbruder aus der Unterwelt zurückzuholen, selbst um den Preis der eigenen Göttlichkeit. Mit Blumenkränzen, Tanz und verführerischer Musik suchen Hébé...
Sein Name dürfte wohl nur Eingeweihten etwas sagen. Ennio Porrino spielte in der italienischen Musikszene zeitlebens keine besonders hervorgehobene Rolle. Über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus erlangte nur das 1934 in Rom uraufgeführte, seiner sardischen Heimat zugeeignete symphonische Poem «Sardegna» eine gewisse Bedeutung; so nahm sich unter anderem der...
Bei der Premiere saß die Claque gut hörbar links im Parkett. Dabei wäre sie gar nicht nötig gewesen, denn in Bern ereignete sich ein kleines Theaterwunder. Auf dem Spielplan stand Verdis «La forza del destino», keine triviale Aufgabe. Am Werk war ein Kreativ-Team um Regisseurin Julia Lwowski. Wer die aus dem Kollektiv «Hauen und Stechen» – was ja gut zu einer...
