Vertane Chance

Frieder Bernius entdeckt Conradin Kreutzers Oper «Der Taucher», bleibt dabei aber vieles schuldig

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Der wie Martin Heidegger im badischen Meßkirch geborene Conradin Kreutzer (1780—1849) gehört zu den vielen vergessenen Namen der Musikgeschichte. Für den Kulturschriftsteller Wilhelm Heinrich Riehl war er schon 1853 der «Prototyp des Biedermeierkomponisten». Vereinzelt begegnet man seinen Liedern und Männerchören, auf den mehr als fünfzig Opern liegt der Staub der Archive. Selbst das einst populäre «Nachtlager von Granada» mit dem bekannten «Abendgebet» ist schon lange aus dem Repertoire verschwunden.

Jetzt offeriert Frieder Bernius, der sich mit unermüdlichem Engagement für Kleinmeister des deutschen Südwestens wie Franz Danzi, Johann Wenzel Kalliwoda, Peter Joseph von Lindpaintner oder Rudolph Zumsteeg einsetzt, Kreutzers «romantische» Oper «Der Taucher». Das auf einem Schauspiel des «Freischütz»-Librettisten Friedrich Kind beruhende Textbuch, das der Handlung von Shakespeares «Sturm» mit Schillers Ballade «Der Taucher» noch eins draufsetzt, darf man getrost vergessen. Während Schillers Taucher von den Wellen verschlungen wird, erwartet ihn am Ende von Kreutzers Oper mit Hilfe der Fee Morgana und ihrer Wassernixen das Liebesglück.

Beim Label Carus ging bei der Veröffentlichung ...

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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 54
von Uwe Schweikert

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