Verspielt: Simon McBurneys Amsterdamer «Zauberflöte»

Opernwelt - Logo

Musikalisch wird das Rad nicht neu erfunden in dieser «Zauberflöte» aus Amsterdam. Auch wenn sich Marc Albrechts weiche, fedrig-elegante Lesart mit dem Nederlands Kamerorkest sehr wohl hören lassen kann. Ebenso wie die Sänger: Maximilian Schmitt als Tamino und Christina Landshamer als Pamina zum Beispiel. Besonders Thomas Oliemans’ Papageno nimmt für sich ein, der Einzelgänger, ziemlich wunderlich, doch das Herz am rechten Fleck – ein schräger Vogel.

Die Kraft dieser Produktion steckt vielmehr in der Summe ihrer Teile.

Vor allem dank eines zauberhaften Dialogs zwischen Klang und Szene. Simon McBurney nähert sich diesem Stück in seiner ersten klassischen Operninszenierung mit Verfremdungstechniken. Dass er dabei den rationalen Staatsmann Sarastro (Brindley Sherratt) mit der Terrortaktik der sternflammenden Königin (Íride Martínez) konfrontiert, ist fast Nebensache. Im Vordergrund steht ein feinsinniges Spiel mit theatralen Prozessen: Papageno umflattern Notenblattschwalben, Flötist und Glockenspieler treten vom Graben ins Geschehen ein. In einer Ecke wird zu den Dialogen musique concrète hergestellt, hin und wieder illustriert ein Zeichner live mit leichtem Strich. Liebevoll läuft ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Zeitlos aktuell

Von den drei überlieferten Opern Claudio Monteverdis hatte «Il ritorno d’Ulisse in patria» die geringste Breitenwirkung. Homers Dramenstoff um die späte Heimkehr des Odysseus in sein Königreich Ithaka, wo nur noch die treue Gattin Penelope und der Sohn Telemach an seine Wiederkunft glauben, ist bis heute aktuell. Man denke etwa an die Soldaten, die zehn Jahre nach...

Märchenhaft, unter Wert

Die 1984 gegründete Berliner Lautten Compagney hat sich international besonders mit Opern von Georg Friedrich Händel einen Namen gemacht. Bei einer Produktion des frühen Londoner Erfolgsstücks «Rinaldo» (1711) arbeitete sie zum ersten Mal mit dem italienischen Marionettentheater Carlo Colli & Figli zusammen, das auf eine Tradition von 200 Jahren zurückblicken kann...

Überfluss und Kargheit

Man ist überwältigt. Von der Fülle, von der Akribie, von der Schönheit, von der Fantasie, aber eben auch von der Wandlungsfähigkeit. Das Universum des Bühnenmenschen Jürgen Rose umfasst nicht nur das Bild einer Szene vom ersten Nagel bis zur letzten Dessous-Naht, sondern längst auch die Regie, das Dirigieren von Menschen im Raum, das Erfinden von Konzepten. Es ist...