Was taugt ein Leben ohne Illusionen?
Das Interesse an Barockmusik ist in den letzten 25 Jahren enorm gestiegen», sagt Christophe Rousset in der Brasserie Excelsior und fährt mit einem Hauch Bitterkeit in der Stimme fort: «Aber die französische hat’s immer noch schwer. Das Rameau-Jahr zum Beispiel hat praktisch keine Spuren hinterlassen. ‹Platée› gibt es ja immer mal, doch das war auch schon vorher so. Der Rest gilt nach wie vor als zu intellektuell. Und Lully will auch kaum einer hören. Vor allem im Ausland.
» Zu spröde oft die deklamierenden récits, zu fremd die Huldigung an den Regenten im Prolog, zu ungewohnt die Unterbrechungen durch entrées und divertissements, die Eingriffe von Magiern und Göttern. Mit der auf die Spitze getriebenen Repräsentationskultur des Sonnenkönigs haben sogar Spezialisten Probleme; René Jacobs etwa gibt in Interviews offen zu, dass er mit der französischen «Staatskunst» wenig anfangen kann.
In Nancy aber ist nichts zu spüren von diesen Sperren. Hitze flirrt über dem Pflaster der Place Stanislas, vor blauem Sommerabendhimmel gleißen die klassizistischen Palais, die der polnische König zu Ehren Ludwig XV. bauen ließ. Drinnen, in der Opéra national de Lorraine, nehmen die Musiker der Talens ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff
Die 1984 gegründete Berliner Lautten Compagney hat sich international besonders mit Opern von Georg Friedrich Händel einen Namen gemacht. Bei einer Produktion des frühen Londoner Erfolgsstücks «Rinaldo» (1711) arbeitete sie zum ersten Mal mit dem italienischen Marionettentheater Carlo Colli & Figli zusammen, das auf eine Tradition von 200 Jahren zurückblicken kann...
Schmal ist er geworden, mit zwei Krücken tastet er sich auf die Bühne. Bei der Grazer STYRIARTE etwas absagen, das kam für Nikolaus Harnoncourt bislang nicht infrage. Dieses Jahr ist es zum Start passiert. Doch bei Beethovens «Missa solemnis» hat der 85-Jährige noch viel mitzuteilen und wagt dies erstmals mit dem Concentus Musicus. Die Aufführung erschüttert, weil...
Das alljährliche Sommerfestival der Garsington Opera, seit 2011 in Wormsley Park in Buckinghamshire beheimatet, präsentiert in diesem Jahr erstmals vier statt drei abendfüllende Werke. Den Auftakt machte «Così fan tutte» unter der musikalischen Leitung von Douglas Boyd und in der Ausstattung von Dick Bird. Regisseur John Fulljames, derzeit Associate Director des...
