Verlorene Unschuld
Ein seltsames Schauspiel bietet sich dem Amazonas-Schiffer vor Manaus: Durchaus im gleichen, weiten Bett, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fließen der braune, träge, warme Amazonas und der behändere, dunkelkühle Rio Negro nebeneinander her, bis sie sich nach etwa dreißig Kilometern dann doch zusammentun.
Ob Ermanno Wolf-Ferrari je in der brasilianischen Urwaldmetropole war, wissen wir nicht.
Aber das Bild passt gut zum Œuvre des deutsch-italienischen Komponisten, denn es besteht sozusagen aus einem schnelleren und einem langsameren Grundstoff: einerseits das Flinke, Commedia-dell’Arte-hafte, das sich etwa in den «Vier Grobianen» manifestiert. Andererseits ein Spiel mit der Dramatik des Verismo wie etwa in «I gioielli della Madonna», einem Werk vom Repertoirerand, dessen sich die Oper in – nein, nicht Manaus, sondern im slowakischen Bratislava nun erfreulicherweise angenommen hat.
Die in Neapel angesiedelte Geschichte hat etwas von einem Dreigroschenroman: Schmied Gennaro und Camorra-Pate Rafaele (Tenor und Bariton) umwerben Maliella (Sopran, die klassische Konstellation). Wobei das Mädchen sie dazu aufstachelt, als Liebesbeweis den Schmuck einer verehrten ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Gerhard Persché
Auf diese Nasen können Sie bauen! Nicolai Gedda und José van Dam, die elegantesten Gesangs-Universalisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ergänzten die grande tradition ihres Fachs um ein unverkennbares Merkmal: ihr nasales Timbre. Das war nicht Beschränkung. Sondern Ausdruck einer spezifischen Idiomatik, mit der sie – paradox genug – die hintersten,...
Einem patriotischen Polen kämen keine Bedenken, Stanislaw Moniuszko an den Größten seiner Zeit zu messen und ihn als polnischen Verdi zu bezeichnen. Dabei hat den nur sechs Jahre jüngeren Moniuszko eine ähnliche politische Situation geprägt wie den italienischen Kollegen. Das Kongress-Polen von 1815 war ein schwacher und abhängiger Staat, Erhebungen 1830 und 1846...
Frau Meier, Sie sind es gewohnt, als «große Sängerin» tituliert zu werden. War dies die unmittelbare Konsequenz Ihres «Übernacht-Erfolgs» als Kundry 1983 in Bayreuth?
Nein, in der eigenen Wahrnehmung ging die Geschichte früher los. Steil nach oben ging es für mich nicht mit Bayreuth, sondern nach meinem Debüt 1976 in Würzburg. Zwei Monate, nachdem ich dort...
