Verlorene Illusionen
Dass die in Moskau ansässige «Nowaja Opera» mit Samuel Barbers «Vanessa» ein Werk aus einem, laut offizieller Einschätzung «unfreundlichen Land» auf ihren Spielplan setzt, ohne sich für dessen offenkundig boulevardesken Charakter zu schämen, unterstreicht erneut die radikale Entschlossenheit der Direk -tion zu einem «unkonventionellen Verhalten». Sämtliche Bühnen in Russland haben sich entschieden von drastischen Theatergesten distanziert. Nur in der «Nowaja Opera» und im Opernhaus von Nischni Nowgorod herrscht nach wie vor der Wille zu einer mutigen Programmgestaltung.
Was nicht zuletzt einem Künstler wie Dmitri Wolkostrelow zu danken ist: Dieser gehört zu den radikalsten Regisseuren des Sprechtheaters, hat jedoch auch schon in der Oper mit einer «Eugen Onegin»-Inszenierung in Jekaterinburg auf sich aufmerksam gemacht.
In seiner Lesart von Barbers «Vanessa» gelingt es dem Regisseur, das Werk auf Moskauer Ver -hältnisse umzumünzen und das Publikum eine durchaus heutige Relevanz spüren zu lassen. Die Bühne von Ljoscha Lobanow ist auf drei Handlungsebenen unterteilt: Im unteren Stockwerk befindet sich eine gepflegte Wohnung aus dem frühen 20. Jahrhundert, in der ein ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Alexej Parin
Becketts Figuren sind ausnahmslos erschöpft und ausgelaugt Wartende, im Grunde ähneln sie den Figuren Tschechows. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Während Tschechows Figuren auf etwas warten, das in der Zukunft liegt (aber nie erscheinen wird), warten Becketts Figuren nur noch auf das Ende. Sie haben jede Hoffnung, es würde sich in ihrem Leben noch etwas...
Unter den Werken seiner berühmten Galeerenjahre gilt Verdis Opera buffa «Un giorno di regno» als der Worstseller. Die Verwechslungskomödie um den «falschen» polnischen «König für einen Tag» entpuppte sich als Oper für einen Tag, fiel sie doch bei ihrer Premiere am 5. September 1840 an der Mailänder Scala gnadenlos durch und wurde sofort abgesetzt. Zu Verdis...
Vorn, am linken Bühnenrand, liegt, schlafend, das Tier. Ein Kojote. Der aber zum Glück kein echter Kojote ist – die wolfsähnlichen Steppenwölfe gelten als gefährlich. Dieser ist erstens nicht echt, sondern ein Mensch in Glitzerkleidung mit hochhackigen Schuhen und als Kojote maskiert (der Choreograph des Abends, Ivan Estegneev), er ist zweitens auch ein Freund der...
