Verlorene Illusionen
Wenn der Vorhang aufgeht, betritt eine Frau in bodenlangem Rock die verwaiste, sparsam bebilderte Bühne. Es ist die verwitwete Gutsbesitzerin Larina, mit einem Köfferchen in der Hand, in dem sich die Erinnerungsstücke ihres Lebens befinden. Sie alle werden eine Rolle spielen – vor allem Puschkins Versroman «Eugen Onegin», der später in zahllosen Exemplaren herumliegt und weitergereicht wird.
Larina hat ihn in ihrer Jugend verschlungen, jetzt tut es ihre schwärmerisch veranlagte Tochter Tatjana, während die alte Amme Filipjewna Marmelade einkocht und sich Tatjanas jüngere, lebenslustige Schwester Olga an den Gesängen der Dorfbewohner erfreut. Allgegenwärtig wie das rote Buch ist auch die chromatisch abfallende Sequenz, mit der das Vorspiel einsetzt – im Tonfall elegischer Melancholie und fiebriger Erregung, der die Selbstaussprache wie die kruden Dialoge der Hauptfiguren auf eine Weise begleitet, dass man meint, unentwegt dieselben Klänge zu hören.
Sonja Trebes hat genau hingehört, sie inszeniert diese Ausweglosigkeit einer Oper ohne äußere Dramatik. Was wir sehen, ist das Psychogramm eines Seelendramas, der Ablauf eines kreisförmigen Geschehens, das keine zielgerichtete ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert
In Pesaro, der Geburtsstadt des Komponisten an der Adria, schlägt das Herz der internationalen Rossini-Pflege. Alljährlich spielt das Rossini Opera Festival (ROF) drei seiner 39 Opern, wobei 2023 einen gewissen Schlusspunkt setzt: Mit «Eduardo e Cristina» steht das einzige Bühnenwerk auf dem Spielplan, das hier noch nie gezeigt wurde. Zwar war die Oper bereits...
Die Causa ist weithin bekannt und in aller Ausführlichkeit durchgekaut worden. Richard Wagner, der politisch verfolgte «Revolutionär» und visionäre Tonsetzer, flieht 1849 ins Schweizer Exil nach Zürich, trifft dort (als deren Klavierlehrer) in der jungen und schönen Mathilde Wesendonck die erste wahre Liebe seines Lebens, verstrickt sich, während er Teile seiner...
Eine Sprossenwand gibt es, ein paar Turnmatten, Ringe und einen Boxsack. Doch ins Schwitzen gerät nur die stumme Statisterie mit gut definierten Astralkörpern und knappsitzenden Trainingshosen. Die eigentlichen Protagonisten tragen gern helle Sommeranzüge. Pro forma riskiert man ein paar Übungen in der Gymnastikhalle. Das passt zum Stücktitel, der mit «L’Olimpiade»...
