Verlorene Illusionen
Wenn der Vorhang aufgeht, betritt eine Frau in bodenlangem Rock die verwaiste, sparsam bebilderte Bühne. Es ist die verwitwete Gutsbesitzerin Larina, mit einem Köfferchen in der Hand, in dem sich die Erinnerungsstücke ihres Lebens befinden. Sie alle werden eine Rolle spielen – vor allem Puschkins Versroman «Eugen Onegin», der später in zahllosen Exemplaren herumliegt und weitergereicht wird.
Larina hat ihn in ihrer Jugend verschlungen, jetzt tut es ihre schwärmerisch veranlagte Tochter Tatjana, während die alte Amme Filipjewna Marmelade einkocht und sich Tatjanas jüngere, lebenslustige Schwester Olga an den Gesängen der Dorfbewohner erfreut. Allgegenwärtig wie das rote Buch ist auch die chromatisch abfallende Sequenz, mit der das Vorspiel einsetzt – im Tonfall elegischer Melancholie und fiebriger Erregung, der die Selbstaussprache wie die kruden Dialoge der Hauptfiguren auf eine Weise begleitet, dass man meint, unentwegt dieselben Klänge zu hören.
Sonja Trebes hat genau hingehört, sie inszeniert diese Ausweglosigkeit einer Oper ohne äußere Dramatik. Was wir sehen, ist das Psychogramm eines Seelendramas, der Ablauf eines kreisförmigen Geschehens, das keine zielgerichtete ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert
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Frau Byström, es gibt im Schwedischen ein Wort, dass die Fähigkeit zum lösungsorientierten Kompromiss zu beschreiben scheint – «lagom». Da es keine Entsprechung im Deutschen gibt, sind Sie so lieb und erläutern den Begriff?
(lacht) Ach, das ist viel einfacher, als Sie denken. «Lagom», das bedeutet eigentlich nur «nicht zu viel, nicht zu wenig» oder «in der Mitte»....
Zwei Frauen. Wenig scheint sie zu einen, zu grundverschieden sind ihr Charakter, ihre soziale Stellung auf den ersten Blick. Hier die stolze trojanische Königstochter, Schwester (unter anderem) des Helden Hektor und des Schönlings Paris, welcher Apollon die seltene Gabe der Weissagung schenkte, sie aber, nachdem Kassandra sein erotisches Begehren brüsk abgewiesen...
