Im Treibhaus
Die Causa ist weithin bekannt und in aller Ausführlichkeit durchgekaut worden.
Richard Wagner, der politisch verfolgte «Revolutionär» und visionäre Tonsetzer, flieht 1849 ins Schweizer Exil nach Zürich, trifft dort (als deren Klavierlehrer) in der jungen und schönen Mathilde Wesendonck die erste wahre Liebe seines Lebens, verstrickt sich, während er Teile seiner Liebesutopie-Oper «Tristan und Isolde» und die fünf «Wesendonck-Lieder» komponiert, ein wenig am «Ring» herumwerkelt und mehrere musikphilosophische Traktate verfasst, immer stärker in diese unerlaubte Neigung, und reist, nachdem Minna die Affäre ihres Mannes mit Mathilde aufgedeckt und er sich von ihr getrennt hat, weiter nach Venedig. Viel ist darüber geschrieben und gedichtet worden, auch über die tatsächlichen oder möglichen Zusammenhänge zwischen Leben und Werk; einiges davon ist wahr und einiges die reinste Legende.
Was damals passiert ist, wie es gewesen sein könnte? Der Film «The Zurich Affair» nimmt sich die nötige künstlerische Freiheit, um Wagners «Wirken» und Wirkung auf den unterschiedlichsten ästhetischen wie menschlichen Feldern an den Ufern der Limmat zum großen Liebes- und Existenzdrama hochzupusten. Schon ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Olga Myschkina
Der Weltgeist thront zu Pferde. Nun ja, nicht ganz, denn das arme Tier entpuppt sich bei genauerem Hinsehen erstens als Maulesel und hat zweitens nur zwei Beine (sie gehören einem bärenstarken Statisten, der sich unter dem Leinenfell verbirgt); auch der General ist nur eine blondgescheitelte Kopie Napoleons ohne dessen majestätische Kopfbedeckung. Aber das macht...
In Pesaro, der Geburtsstadt des Komponisten an der Adria, schlägt das Herz der internationalen Rossini-Pflege. Alljährlich spielt das Rossini Opera Festival (ROF) drei seiner 39 Opern, wobei 2023 einen gewissen Schlusspunkt setzt: Mit «Eduardo e Cristina» steht das einzige Bühnenwerk auf dem Spielplan, das hier noch nie gezeigt wurde. Zwar war die Oper bereits...
Gott ist allgegenwärtig. Und allmächtig. Egal, wohin man blickt in dieser «romantischen» Oper, in welche Gegend, in welchen Winkel, in welches Gesicht, seine Strahlkraft scheint unantastbar, unermesslich groß. Geht es vor Gericht oder um höhere Gerechtigkeit, wird allein er angerufen, fleht einer der Anwesenden um Gnade, richtet sich seine Hoffnung auf ihn, und...
