Vergessene Wendestücke

Jean-Jacques Rousseaus «Le Devin du Village» und die «Alceste» von Anton Schweitzer und Christoph Martin ­Wieland

Opernwelt - Logo

Die Bühne erlebte die Revolution schon vier Jahrzehnte vor der Zeit. Vom Sturm auf die Bastille, die das Ancien Régime der franzö­sischen Aristokratie aus den Angeln heben sollte, träumten Mitte des 18. Jahrhunderts nicht einmal jene Aufklärer, die das Ohr am Mundwerk des Volkes hatten und alle Pomade aus Sprache und Künsten zu pusten trachteten.

Zweifellos war die von den Enzyklopädisten vom Zaum gebrochene querelle des bouffons, also der Frontalangriff auf die Lufthoheit der tragédie lyrique Lully’scher und Rameau’scher Provenienz, so etwas wie ein Vorklang der politischen und sozialen Umwälzungen, die die grande nation bald gründlich aufmischte. Jean-Jacques Rousseau, der neben Diderot, d’Alembert und Melchior Grimm energischste Wortführer dieser an italienischen Intermezzi (zumal an Pergolesis «La serva padrona») orientierten Opernreform, hatte sogar selbst ein Intermède  komponiert, das den Weg in die Zukunft weisen sollte: «Le Devin du Village». Im Oktober 1752 wurde das Werklein uraufgeführt, paradoxerweise am Hof von Fontainebleau. Die Botschaft dieses «Dorfwahrsagers» dürfte dem blaublütigen Publikum (trotz entschärfter Rezitative) kaum gefallen haben: Das Glück geht von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: CDs, Seite 70
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Anschluss an die Gegenwart

Vilnius’ Renaissance-Schloss ist eine Bau­stelle. 2009 feiert Litauen das tausendjährige Jubiläum seiner ersten Erwähnung. Seit 1636 wurden hier Opern auf­geführt. Das heutige Opernhaus stammt von 1974 und erinnert mit seinen riesigen Glas­foyers, die den Blick spektakulär zum Neris-Fluss und zur Stadt hin öffnen, an eine Kreuzung aus Frankfurter Oper und Palast...

Theatermusik für alle

Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häu­ser Gipf­feln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...

Opernland Frankreich

Erlöste Welt, kristallklar

Hartmut Haenchen entdeckt an der Pariser Opéra Bastille Wagners «Parsifal» neu

Wagner, sagt Hartmut Haenchen, tickte deutlich schneller, als dessen durch wagnerianische Fürsorge gefestigter Ruf uns heute glauben macht. Schon für seinen Ams­terdamer «Ring»-Zyklus hatte der Dresdner Dirigent die Originalquellen studiert – und zwar nicht nur...