Verführer im Vormärz
«Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tue, singen die sechs Übriggebliebenen am Schluss von Mozarts «Don Giovanni» (Prager Version). Im Publikum der Uraufführung im Nationaltheater zu Prag am 29. Oktober 1787 saß einer, der das vermeintlich Üble solchen Tuns kaum nachvollziehen konnte: Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt, zu dieser Zeit bereits ein alter Herr, Bibliothekar des Grafen Waldstein auf Dux im Böhmischen und mit dem Schreiben seiner Memoiren beschäftigt. Er habe sich, wird gemutmaßt, im Titelhelden des Mozart’schen Werks wiedererkannt.
Auf jeden Fall nahm er mit großem Eifer Anteil an der Entstehung der Oper und schrieb unter anderem, wie der Musikwissenschaftler Paul Nettl vermerkte, Texte da Pontes um. Wobei seine Revisionen dann doch nicht verwendet wurden.
Merkwürdigerweise schien der Chevalier de Seingalt anders als Don Juan zunächst kaum zum Opernhelden zu taugen. Erst in den letzten etwa achtzig Jahren erschienen einige musikalische Bühnenwerke, die den Namen des erotischen Abenteurers in ihrem Titel führen, darunter Werner Egks «Casanova in London» (1969) sowie (schon 1928) die Operette «Casanova», arrangiert von Ralph Benatzky zu Musik ...
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