Angst, Schwäche, Glaubensfreude
«Verfluchte Körper, Gerettete Seelen» weht auf der Spielplanflagge, unter der Nikolaus Bachler die Bayerische Staatsoper in dieser Saison verrucht-schön segeln lässt.
Die geschmeidige Höllenmetaphysik gilt für Mozart und Puccini, und sie soll das Publikum auch dann berühren, wenn es eine sperrige Novität oder eine fromme Bizarrerie erlebt – nach Peter Eötvös’ «Tragödie des Teufels» nun Francis Poulencs in der Französischen Revolution ansässige «Dialogues des Carmélites», die erzkatholische Oper nach Georges Bernanos’ Drama und Gertrud von Le Forts Novelle, komponiert 1957 für die Mailänder Scala. Das Stück, das keine Liebesgeschichte und kein Happy End kennt, am Ende nur den Tod einer Nonnenschar auf dem Schafott, wird hier als Glanzstück einer von der Avantgarde unbehelligten Moderne, als eine Art Fortsetzung von Debussys feinfühlig abgründigem «Pelléas» aufgeführt.
Anders als am Theater Basel, wo vor einem Jahr Benedikt von Peter Poulencs Werk als ein dramaturgisch hochkomplexes Musiktheater gezeigt hatte (siehe OW 5/2009), stellt sich in der Regie Dmitri Tcherniakovs die Handlung in holzschnitthafter Einfachheit dar – nicht gottesfürchtiges Ritual von Nonnen, sondern ...
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Darauf muss man erst mal kommen. Juno, die große Abwesende, die Unsichtbare, mischt von Anfang an mit. Normalerweise regt sich die hohe Dame erst im letzten Aufzug coram publico über die erotischen Eskapaden ihres Göttergatten Jupiter auf. Bis dahin schmollt sie stumm im Off – so steht’s im «Platée»-Textbuch von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville und in den Noten...
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