Verdreht
Fangen wir, aus gegebenem Anlass, mit der Musik an. Zweiter Akt, Finale. Das Dunkel scheint sich zu lichten, wo vorher sehr viel f-Moll war, dominiert nun pastoral-pfiffiges F-Dur. Ein Tanz im Viervierteltakt, übermütig, zugleich hintergründig – Giuseppe Verdi wusste sehr wohl, wie man Klänge subversiv einwirken lässt.
Und so ist es auch in diesem Allegro brillante: Hinter der Leichtigkeit wohnen die Dämonen, und spätestens wenn Lady Macbeth (nun in B-Dur) den Trinkbecher erhebt, verwandelt sich das Metrum in einen täppisch-trunkenen Zweivierteltakt und spürt man auch im Saal (oben, auf der Bühne, unten, in der Realität), dass hier etwas gewaltig im Argen liegt.
Andrea Sanguineti gibt mit «Macbeth» seinen Einstand als GMD des Essener Aalto-Musiktheaters, in diesem Finale secondo beweist er, dass ihm Verdis Idiomatik vertraut ist. Zugleich offenbart sich in diesem chromatisch nach E-Dur abfallenden Finale beispielhaft eine Schwäche in seinem Dirigat: Sanguineti vermag die weitgezogenen Bögen nicht bis zum Ende durchzugestalten; immer wieder plumpsen die eigentlich versiert musizierenden Essener Philharmoniker in ein Spanungsloch und wackeln auch die Tempi zum Teil bedenklich. Was ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Jürgen Otten
Untot, tot oder doch nur totgesagt? Lange hat sich die Operette in den Spielplänen wacker gehalten, brachte Quote und lockte ein Publikum in das Theater, dem Oper zu schwer und das zeitgenössische Musical zu modern war – weil sie ein Bedürfnis nach Eskapismus stillte. Sie war Prototyp einer frühen Popkultur, sprach sogar lange eine jüngere Generation an. Doch die...
Der Chor schwimmt, und das vorzüglich. Gewöhnlich ein Handikap von Laienvereinigungen, erweist sich die Tätigkeit hier als Kompetenzzuwachs von Profis, denn die Mitglieder gleich dreier Chöre singen nicht nur sitzend am Ufer des riesigen Bassins, das in den Hangar 1 des Flughafens Tempelhof gesetzt wurde, sie harren nicht nur schiffbrüchig auf einem Floß aus,...
Frau Byström, es gibt im Schwedischen ein Wort, dass die Fähigkeit zum lösungsorientierten Kompromiss zu beschreiben scheint – «lagom». Da es keine Entsprechung im Deutschen gibt, sind Sie so lieb und erläutern den Begriff?
(lacht) Ach, das ist viel einfacher, als Sie denken. «Lagom», das bedeutet eigentlich nur «nicht zu viel, nicht zu wenig» oder «in der Mitte»....
