In der Gefahrenzone
Als die Ruhrtriennale 2002 unter der Intendanz von Gerard Mortier als Kunstfestival für das Ruhrgebiet erstmals über die Bühne(n) ging, stellten sich dem Gründungsteam zwei Hauptaufgaben, an denen sich auch seine bislang sechs Nachfolger abgearbeitet haben: Wie lassen sich, erstens, die von der Industrie verlassenen Baudenkmäler von der Bochumer Jahrhunderthalle bis zu Salzlagern, Mischanlagen, Gebläsehallen und Kraftzentralen in speziell zugeschnittenen Produktionen neu definieren? Und auf welche Weise können, zweitens, Geschichte und Mentalität des «Reviers», aber auch die s
ozialen Bedingungen der Arbeit und die Transformation unserer Gesellschaft durch aktuelle Kunst abgebildet werden?
Im Rückblick zeigt sich, dass gerade die architektonische Großartigkeit und quasi-religiöse Aura der Hallen das eigentliche Kapital der Ruhrtriennale bilden, während inhaltliche Bezüge zum Ruhrgebiet oft etwas übermotiviert und verkrampft wirkten – ein Missverhältnis, das auch bei den diesjährigen Musiktheaterabenden, der Uraufführung von Georges Aperghis’ Stück «Die Erdfabrik» und Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Janáčeks Spätwerk «Aus einem Totenhaus», offenkundig wurde.
Dabei kann man den ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Michael Struck-Schloen
Der Chor schwimmt, und das vorzüglich. Gewöhnlich ein Handikap von Laienvereinigungen, erweist sich die Tätigkeit hier als Kompetenzzuwachs von Profis, denn die Mitglieder gleich dreier Chöre singen nicht nur sitzend am Ufer des riesigen Bassins, das in den Hangar 1 des Flughafens Tempelhof gesetzt wurde, sie harren nicht nur schiffbrüchig auf einem Floß aus,...
Schön geträumt?», fragt das Staatstheater Darmstadt im Motto der neuen Spielzeit, die Wünsche und Ängste, Zukunftsvisionen und Realitätsverlust in den Fokus rückt. Da liegt es auf der Hand, die Saison 2023/24 mit Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann» zu eröffnen – der schwarzromantischen Traumoper par excellence. Als Einfallstor ins Reich der Fiktionen fungiert in...
Fangen wir, aus gegebenem Anlass, mit der Musik an. Zweiter Akt, Finale. Das Dunkel scheint sich zu lichten, wo vorher sehr viel f-Moll war, dominiert nun pastoral-pfiffiges F-Dur. Ein Tanz im Viervierteltakt, übermütig, zugleich hintergründig – Giuseppe Verdi wusste sehr wohl, wie man Klänge subversiv einwirken lässt. Und so ist es auch in diesem Allegro brillante...
