In der Gefahrenzone
Als die Ruhrtriennale 2002 unter der Intendanz von Gerard Mortier als Kunstfestival für das Ruhrgebiet erstmals über die Bühne(n) ging, stellten sich dem Gründungsteam zwei Hauptaufgaben, an denen sich auch seine bislang sechs Nachfolger abgearbeitet haben: Wie lassen sich, erstens, die von der Industrie verlassenen Baudenkmäler von der Bochumer Jahrhunderthalle bis zu Salzlagern, Mischanlagen, Gebläsehallen und Kraftzentralen in speziell zugeschnittenen Produktionen neu definieren? Und auf welche Weise können, zweitens, Geschichte und Mentalität des «Reviers», aber auch die s
ozialen Bedingungen der Arbeit und die Transformation unserer Gesellschaft durch aktuelle Kunst abgebildet werden?
Im Rückblick zeigt sich, dass gerade die architektonische Großartigkeit und quasi-religiöse Aura der Hallen das eigentliche Kapital der Ruhrtriennale bilden, während inhaltliche Bezüge zum Ruhrgebiet oft etwas übermotiviert und verkrampft wirkten – ein Missverhältnis, das auch bei den diesjährigen Musiktheaterabenden, der Uraufführung von Georges Aperghis’ Stück «Die Erdfabrik» und Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Janáčeks Spätwerk «Aus einem Totenhaus», offenkundig wurde.
Dabei kann man den ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Michael Struck-Schloen
Oslos Opernhaus soll mehr sein als nur ein Musentempel – begehbares Wahrzeichen der Stadt und gesellschaftlich relevanter Ort der Begegnung. Nach einigen schwierigen Jahren inklusive Corona-Pandemie zeigt sich das nun mit neuem Führungsteam auch in der Programmgestaltung. Zur Spielzeiteröffnung kam ein Sujet auf die Bühne, das den Alltag vieler Menschen, nicht aber...
Es ist im Grunde immer wieder dieselbe Geschichte. Und sie erzählt nicht nur von einem Durchbruch, sondern auch von einem lästigen Label: Nachfolgerin der Callas, diesen Titel wurde Renata Scotto nie richtig los. Im Herbst 1957 war es, als sich in Edinburgh ein angeblicher Callas-Skandal ereignete. Dabei hatte die gastierende Scala nur fünf Aufführungen vereinbart....
Es ist ein interessantes Experiment, das jüngst an der Opéra de Rouen Normandie angestellt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Palazzetto Bru Zane, dem in Venedig beheimateten Zentrum für französische Musik der Romantik, brachte das Haus nach der Urfassung von Offenbachs «La Vie Parisiènne» im Jahr 2021 nun die Ur-«Carmen» heraus. Nicht in musikalischer Hinsicht:...
