Altmeisterlich
Auch im achten Lebensjahrzehnt bleibt Jordi Savall ein musikalischer Überzeugungstäter. Nachdem er zum Beethoven-Jahr 2020 den Gipfelsturm der neun Symphonien auf höchst eindrucksvolle Weise bewältigt hat (und im Jahr darauf mit Schuberts «Unvollendeter» und dem großen C-Dur-Werk in die Romantik vordrang), ist er mit Neuaufnahmen von Monteverdis «L’Orfeo» und Mozarts «Requiem» zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
An Einspielungen beider Werke, Monteverdis erster Oper aus dem Jahr 1607 und der bekanntesten, meistgespielten Totenmesse der Musikgeschichte, herrscht wahrlich kein Mangel. Eine neue Lesart Jordi Savalls darf dennoch allemal mit gespannter Aufmerksamkeit rechnen.
Die «Orfeo»-Aufnahme mit seinen beiden Ensembles, dem Orchester Le Concert des Nations und dem Chor La Capella Reial de Catalunya, entstand im Sommer 2021 im Nachgang einer szenischen Produktion an der Opéra Royal de Versailles. Die unterschiedlichen Facetten von Monteverdis komplexer Partitur – der deklamierte Gesang des recitar cantando, die polyphonen Chöre und die vielen instrumentalen Zwischenspiele – schließen sich in Savalls Interpreta -tion wie selbstverständlich zu einem Ganzen zusammen. Die altmeister ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Uwe Schweikert
Salome, schönste Blume des Morgenlands? Nein, falsches Stück, falsches Genre. «Die alte Hur’ is net umzubringen», soll Robert Stolz über seinen (nach der Prinzessin benannten) «orientalischen Foxtrott» gesagt haben. In der Volksoper Wien aber steht nicht etwa irgendeine Stolz’sche «Salome»-Revue auf dem Programm, sondern Strauss’ seinerzeit skandalös-monströser...
Gott ist allgegenwärtig. Und allmächtig. Egal, wohin man blickt in dieser «romantischen» Oper, in welche Gegend, in welchen Winkel, in welches Gesicht, seine Strahlkraft scheint unantastbar, unermesslich groß. Geht es vor Gericht oder um höhere Gerechtigkeit, wird allein er angerufen, fleht einer der Anwesenden um Gnade, richtet sich seine Hoffnung auf ihn, und...
Als Jean-Baptiste Lully 1687 starb, stand die Tragédie en musique vor einem epochalen Umbruch. Zwei Musiker schlugen neue Wege ein – André Campra und Henry Desmarest. Campra trug den Sieg davon, weil Desmarest, der begabteste Komponist in Lullys Nachfolge, 1699 aus Frankreich fliehen musste. Es dauerte mehr als drei Jahrhunderte, bis mit der 1694 uraufgeführten...
