Verdi im Rheinland
Man könnte sich die Haare raufen: 1979 wurde in einem Auktionskatalog ein Albumblatt Verdis reproduziert, ohne dass dies irgendeinem Verdi-Forscher aufgefallen wäre – bis heute. So fehlt die Miniatur aus dem Jahr 1877 in allen Werkkatalogen, auch in dem 2013 erschienenen «Verdi Handbuch» – ein Grund mehr, es sich wenigstens nach dem Verdi-Jahr genauer anzuschauen.
Das Überraschendste an Verdis Albumblatt ist die Tatsache, dass Verdi es überhaupt angefertigt hat.
Seit seinen ersten Erfolgen pflegte der Komponist eine unverhohlene Abneigung gegen diese Art musikalischer «Kleinkunst». Das bislang späteste bekannte Albumblatt, auf dem Verdi etwas anderes notierte als einen Ausschnitt aus einem eigenen Werk, datiert vom 20. April 1858. Verdi muss also besondere Gründe gehabt haben, «Madame Hiller» eine Originalkomposition zuzueignen. In der Tat wurde er im Mai 1877 in Köln bei seinem einzigen längeren Deutschland-Aufenthalt wie ein Staatsgast behandelt. Ferdinand Hiller, der Gründer des Kölner Konservatoriums, hatte ihn eingeladen, beim 54. Niederrheinischen Musikfest seine neue «Messa da Requiem» zu dirigieren. Zusammen mit seiner Frau Giuseppina weilte Verdi zwölf Tage in der Domstadt ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Anselm Gerhard
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