Wie schwer ist doch das Leichte
Das Stück ist viel schwerer, als es auf den ersten Blick scheint. Ein erster Blick auf die vollgestellte Bühne mit den zwei roten Wohnwagen (Noëlle Ginefri) verheißt pure Leichtigkeit des Seins, das bekannte Theater auf dem Theater: Statt eines Vorhangs sieht das hereinspazierende Publikum auf die betriebsame Szenerie einer italienischen Wandertheatertruppe, deren Personal sich sportiv mit Aufwärmübungen abmüht.
Hastig-komödiantisches Milieu, die bunt-adretten Kostüme der Darsteller (Sylvie Martin-Hyszka), das alles soll auf den frühen Federico Fellini hindeuten, Filme wie «La Strada» oder «I notti di Cabiria». Doch Irina Brook, regieführende Tochter des britischen Theatergenies Peter Brook, hat sich von der italienischen Kinostimmung der Fünfzigerjahre mehr überrumpeln als inspirieren lassen, um Donizettis virtuos spielerisches Melodramma auf die Beine zu stellen. Britische Einstellung, so Brook in der «Berliner Morgenpost» vorab, sei eben: «Wenn man etwas leicht nehmen kann, dann sollte man es auf jeden Fall auch tun.»
Der Ansatz wäre für eine romantisch-nostalgische Buffa von 1832 nicht gleich verfehlt. Und doch kann das von Donizetti und dem Librettisten Felice Romani ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Wolfgang Schreiber
Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks...
Wäre doch schön gewesen. Ein «Tannhäuser» aus dem Geist des Tanzes. Einer, der die Brüche des Werks auflöst in Bewegung, den Venusberg in Körperlogik, die mittelalterlichen Wurzeln in ein modernes Darstellungsformat, die Dualismen in einen subjektkritischen Denkhorizont. Der Sängerkrieg als Performance-Kunst. Nach allem, was Sasha Waltz bisher gemacht hat, wäre...
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Giacomo Meyerbeer der erfolgreichste Opernkomponist weltweit. Heute, 150 Jahre nach seinem Tod, sind seine Werke dem breiten Publikum kaum bekannt. Nicht nur wegen des runden Jubiläums war ein neues Buch über den «Meister der Grand Opéra» seit Langem überfällig. Die beiden Autoren haben gemeinsam mit der wissenschaftlichen...
