Verbrechen und Strafe
Der Prolog zeigt einen brutalen Doppelmord. Durch das Fenster eines Appartements sieht man, wie eine junge Frau und ihr Begleiter von einem Maskierten niedergestochen werden. Drinnen sitzt ein Mann vor dem Fernseher und schaut einen Thriller. Plötzlich schaltet er aus, als könne er das Gezeigte nicht ertragen. Schnell wird klar: Der Mann und der Täter sind eine Person – die Szene draußen vor der Scheibe zeigt seine Vergangenheit.
Jake Heggies 2000 in San Francisco uraufgeführte Oper «Dead Man Walking» erzählt von den letzten Tagen des Mörders Joseph de Rocher, der im Todestrakt auf die Giftspritze wartet. Er steht in Briefaustausch mit der Nonne Helen Prejean und bittet sie, ihn im Gefängnis zu besuchen. Dort begegnet die Ordensschwester einem Verbrecher, der seine Tat leugnet und keinerlei Reue zeigt.
Die Oper basiert auf einem Buch der realen Sister Helen Prejean, einer amerikanischen Aktivistin gegen die Todesstrafe, die darin eigene seelsorgerische Erfahrungen verarbeitet. Bekannt wurde der Stoff durch die Verfilmung von Tim Robbins aus dem Jahr 1995. Die Oper lässt sich als Plädoyer gegen die Todesstrafe verstehen, verhandelt das Thema allerdings durchaus kontrovers. ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Silvia Adler
Womit verdient das Unternehmen «Windsor» sein Geld? Man erfährt es nicht. Wahrscheinlich ist es auch völlig egal. Sicher ist jedenfalls, dass erhebliche Summen bewegt werden: Der CEO – es ist Falstaff – residiert in einem prächtigen Büro, irgendwo droben in einem Wolkenkratzer. Vor den Fenstern grüßt die Skyline New Yorks, Vögelchen fliegen vorüber, auch mal ein...
Sucht man nach den sogenannten Schlüsselwerken aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die das Denken über die Gattung wie das Hören selbst nachhaltig verändert haben, kommt man an Bernd Alois Zimmermanns Oper «Die Soldaten» nicht vorbei. Ein megalomanes, mammutgleiches, fast mystisches Stück, maßlos in vielerlei Hinsicht, steht es in der...
Draußen vor der Tür, im Park, plappert ein ganzes Vogelvolk, drinnen, in der Kantine der Deutschen Oper am Rhein, klappern nur die Gläser und Flaschen. Für die hehre Kunst hegt der dort wirkende Mitarbeiter des Hauses, zumindest dem Anschein nach, nur sehr bedingt tiefere Gefühle, aber was soll er tun, irgendjemand muss ja den Kram vom Vorabend wegräumen. Selbst...
