Drahtseilakt

Entdeckenswert: Traettas Reformoper «Ifigenia in Tauride» erstmals auf CD

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Am 5. Oktober 1763, auf den Tag genau ein Jahr nach Glucks Reformoper «Orfeo ed Euridice», hatte Tommaso Traettas «Ifigenia in Tauride» in Wien Premiere – allerdings nicht im Burgtheater, sondern in Schloss Schönbrunn. Traetta war unter den Italienern neben dem seit 1754 als Hofkapellmeister in Stuttgart wirkenden Niccolò Jommelli noch vor Gluck der Erste, der Elemente der französischen Tragédie lyrique, wie er sie vor allem bei Rameau und seinen Zeitgenossen gut kennenlernte, mit der klugen Dramaturgie der metastasianischen Opera seria verschmolz.

Die durchlässigeren Grenzen zwischen Secco-Rezitativ und Arie, die harmonisch kühnen Accompagnati, die zahlreichen Chöre, die Tänze der Sturm- und Furienszene, nicht zuletzt der düstere, durch die scharfen Holzbläser bestimmte Orchesterklang sind Ausdruck einer emotionalen Seelensprache, die die starre Antithetik der aufklärerischen Seria-Rhetorik zu überwinden sucht. Wie alle frühklassischen Reformer fällt Traetta jedoch immer wieder in den Tonfall der traditionellen Seria zurück – am stärksten in den Da-Capo-Arien, die mit stupender, theatralischer Virtuosität auftrumpfen. Die Klassik wetterleuchtet in dieser Musik, ja selbst die ...

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Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 45
von Uwe Schweikert

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