Seelenraumsucherin
Es war eine lange Nacht, damals, vor 14 Jahren. Oder genauer: ein Tag und eine Nacht. Jedenfalls für all diejenigen, die es durchhielten. Schon der Stoff schien ja in seiner polyvalenten Struktur und schier überbordenden Sprachvirtuosität eher dazu geeignet, auszusteigen.
Nur wenige haben David Foster Wallaces Roman «Infinitive Jest», zu Deutsch: «Unendlicher Spaß», wirklich von der ersten bis zur letzten Seite gelesen (was eine der lohnenswertesten semantisch-philosophischen Übungen ist, die man auf dem Gebiet der spätmodernen Literatur absolvieren kann), aber das spielte nun nicht mehr die Hauptrolle. Wichtiger war das Ereignis Theater. Und das war es wirklich, dieser Parforceritt mit dem schönen Titel «24 Stunden durch den utopischen Westen». Realisiert hatte ihn ein pluralistisches Regieteam: die Performance-Kompanien «Gob Squad» und «She She Pop», Anna-Sophie Mahler, Richard Maxwell, Jan Klata – und Anna Viebrock.
Es war nicht ihr erster Ausflug ins Regiefach. Aber einer der aufsehenerregendsten. Einmal des Stoffs wegen, aber auch, weil Viebrock ihr immenses Wissen um die seelische Beschaffenheit von Menschen zur Geltung bringen konnte, die in Phantasiewelten leben, aber ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2026
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Jürgen Otten
Die Umstände, die die Uraufführung von Donizettis «Enrico di Borgogna» begleiteten, sind womöglich spannender als das Werk selbst. Als die Oper am 14. November 1818 im venezianischen Teatro San Luca erstmals über die Bühne ging, war sie nicht nur das öffentliche Debüt eines erst einundzwanzigjährigen Komponisten, sondern zugleich Teil eines gesellschaftlichen...
Unverwechselbar
Ihre Outfits sind Legende. Simone Kermes liebt es, sich in grellbunte Kostüme zu werfen – die Lust an der Verwandlung ist der Sopranistin seit Beginn ihrer Karriere eingeschrieben. Und ebenso das Vergnügen, in höchst unterschiedlichen Epochen umherzuwandeln – vom Barock über die Klassik bis zum Pop und Jazz. Dabei hat sich die gebürtige Leipzigerin...
Theo Adam hatte einen prächtigen Charakterkopf, der ihn vielleicht auch für Film und Fernsehen prädestiniert hätte. Und tatsächlich hatte er im DDR-Fernsehen seit 1977 bis nahe an dessen (und des zugehörigen Staates) Ende eine eigene Sendereihe, in der er vor prunkvollen Kulissen sowohl prominente Kollegen als auch Nachwuchstalente vorstellte und damit, wie Jan...
