Kaiser, Könige, Aristokraten

Am 1. August wäre Theo Adam, der Edelmann unter den Bässen, 100 Jahre alt geworden. Eine Würdigung

Opernwelt - Logo

Theo Adam hatte einen prächtigen Charakterkopf, der ihn vielleicht auch für Film und Fernsehen prädestiniert hätte. Und tatsächlich hatte er im DDR-Fernsehen seit 1977 bis nahe an dessen (und des zugehörigen Staates) Ende eine eigene Sendereihe, in der er vor prunkvollen Kulissen sowohl prominente Kollegen als auch Nachwuchstalente vorstellte und damit, wie Jan Brachmann schrieb, «einem völlig unbürgerlichen Land Reste einer großbürgerlichen Salonkultur bewahrte».

Die Rolle des generösen Gastgebers, die er hier im Wortsinne verkörperte, bezeichnete wohl auch generell Adams Berufsverständnis, das sich gewiss zuerst von der Musik und ihren Schöpfern, aber fast gleichrangig ebenso von ihren – und damit auch seinen – Hörern her definierte: als ein Mann, der großzügig Schätze präsentierte, über die er dank Natur und Fleiß verfügen konnte wie nur wenige andere. Deswegen nahm er die ihm dargereichten Lorbeeren auch nicht in devoter Demut entgegen, sondern mit der kühlen grandezza einer Persönlichkeit, die das ihr Zugekommene und Zukommende mit gelassener Selbstverständlichkeit annahm, hütete und nutzte. Eine gewisse Theatralik war ihm dabei auch im zivilen Leben nicht fremd – so, als er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2026
Rubrik: Hommage, Seite 84
von Gerald Felber

Weitere Beiträge
Musikalisch ein Erfolg

Uraufgeführt wurde Gabriela Lena Franks bewundernswertes Werk «El Último Sueño de Frida y Diego» (Der letzte Traum von Frida und Diego) 2022. In Lorena Mazas farbenfroher, visuell mitreißender Inszenierung war das Stück in drei kalifornischen Städten und in Chicago zu sehen. Nun durch Deborah Colker die Neuinszenierung an der Met.

Auch wenn Nilo Cruz’ zuweilen...

Aussichtslos

Gott! Welch Dunkel hier! Was schon Beethovens bekleckerten Helden Florestan zutiefst bekümmerte (allerdings aus anderen Gründen und unter weit widrigeren Umständen), muss auch der Gast sich denken, der Anna Dreschers «Rigoletto»-Inszenierung in Tatjana Ivschinas Ausstattung im Badischen Staatstheater ansichtig wird. Viel Hoffnung gewährt das Regieteam uns nicht,...

Rache ist bittersüß

Das Grauen in Güllen trägt Grau. Doch keineswegs so offensichtlich bedrohlich wie die grauen Herren in Michael Endes «Momo». Die Bewohner der heruntergekommenen Kleinstadt (Bühne: Heike Vollmer) mit dem vielsagenden Namen halten ihre Individualität so hoch wie ihre spießbürgerliche Anständigkeit. Jedenfalls sind sie entrüstet, als die in jungen Jahren aus ihren...