Kaiser, Könige, Aristokraten
Theo Adam hatte einen prächtigen Charakterkopf, der ihn vielleicht auch für Film und Fernsehen prädestiniert hätte. Und tatsächlich hatte er im DDR-Fernsehen seit 1977 bis nahe an dessen (und des zugehörigen Staates) Ende eine eigene Sendereihe, in der er vor prunkvollen Kulissen sowohl prominente Kollegen als auch Nachwuchstalente vorstellte und damit, wie Jan Brachmann schrieb, «einem völlig unbürgerlichen Land Reste einer großbürgerlichen Salonkultur bewahrte».
Die Rolle des generösen Gastgebers, die er hier im Wortsinne verkörperte, bezeichnete wohl auch generell Adams Berufsverständnis, das sich gewiss zuerst von der Musik und ihren Schöpfern, aber fast gleichrangig ebenso von ihren – und damit auch seinen – Hörern her definierte: als ein Mann, der großzügig Schätze präsentierte, über die er dank Natur und Fleiß verfügen konnte wie nur wenige andere. Deswegen nahm er die ihm dargereichten Lorbeeren auch nicht in devoter Demut entgegen, sondern mit der kühlen grandezza einer Persönlichkeit, die das ihr Zugekommene und Zukommende mit gelassener Selbstverständlichkeit annahm, hütete und nutzte. Eine gewisse Theatralik war ihm dabei auch im zivilen Leben nicht fremd – so, als er ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Hommage, Seite 84
von Gerald Felber
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine...
Das Diaghilev-Festival in Perm steht unter dem unerbittlichen Zwang, sich stets an der eigenen Vergangenheit messen zu lassen. Besucher wie Akteure zehren von Erinnerungen: Die Nostalgie an jene Blütezeit ist noch allgegenwärtig, als man auf den Straßen Romeo Castellucci, Robert Wilson oder Gerard Mortier begegnete und Perm – durchaus berechtigt – den Status als...
Die Schubertiade feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Seit 1976 trifft hier die Crème de la Crème des Liedgesangs und der Klavier- und Kammermusik auf ein internationales Publikum, stets verbunden mit dem Anspruch, «die Werke Franz Schuberts in einem kleinen Rahmen auf exemplarische Weise zur Aufführung zu bringen», wie ihn Festivalgründer Hermann Prey...
