Unvergesslich
Vier Spielzeiten lang hat die Oper Bonn sich um den frühen Verdi bemüht. Jetzt rückt seine mittlere Schaffenszeit der 1850er-Jahre in den Fokus. Den Anfang machen «Les vêpres siciliennes», der zweite Anlauf des Komponisten, in Paris mit einer französischen Grand Opéra zu reüssieren. Musikalisch schließt man in Bonn keine Kompromisse und spielt den Fünfakter, der den sizilianischen Volksaufstand gegen die französische Fremdherrschaft im Jahr 1282 mit einem emotionalen Individualdrama verknüpft, fast strichlos.
Allerdings ist dem britischen Regie-Routinier David Pountney zur Handlung und zum zentralen Vater-Sohn-Konflikt zwischen dem französischen Gouverneur Montfort und seinem illegitimen Sohn Henri wenig eingefallen. Raimund Bauers Szene dominieren drei wuchtige leere Bilderrahmen, die zu ständig wechselnden Positionen zusammen- und auseinandergeschoben werden. Mit ihrer abstrakten Ästhetik erdrücken sie das Stück. Mal geht es fantastisch, mal realistisch zu – die Franzosen wie aus einem barocken Kostümfilm geborgt, die Sizilianer in moderner schwarzer Alltagskluft, eingangs mit bloßen Händen den spiegelnden Bühnenboden schrubbend, Montfort auf einem Jagd-Hochsitz thronend, später ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Uwe Schweikert
Gute Laune ist der Hauptgang dieses Menüs, das sich «Songplay» nennt und als dessen Köchin Joyce DiDonato fungiert. Wenngleich man sich beim Hören auch an Fritz Kortner erinnern mag, der einmal gestand, er habe gelacht, aber unter seinem Niveau. Denn nicht alles scheint gelungen; manches bleibt im Niemandsland des Crossover hängen. Obwohl es dann doch wieder...
Sie war überfällig, diese russische Erstaufführung. Schon wegen des Stoffs, den Peter Eötvös für seine erste große, 1998 in Lyon aus der Taufe gehobene Oper wählte: Tschechows Drama «Drei Schwestern». Und weil die bleierne Atmosphäre, die den Figuren in dem bald 120 Jahre alten Stück die Luft abschnürt, auch heute, unter veränderten Vorzeichen, auf dem Land...
Er ist ein Bauchmensch und Hasardeur. Ein Maestro, der Live-Luft braucht, um seine Fähigkeiten zu entfalten. Aber auch ein machtbewusster Impresario, der aus seiner Sympathie für den starken Mann im post-sowjetischen Russland kein Hehl macht. Seit 1988 befehligt Valery Gergiev das Mariinsky Theater in Sankt Petersburg. 2015 wurde er Chefdirigent der Münchner...
