Verflucht sei Erdas Fahrstuhl
Allzu oft bekommt man ihn nicht zu sehen, den «Ring» an der Met. Im April und Mai traten Nibelungen, Götter und Kohorten nach sechsjähriger Pause wieder an. Am Pult stand mit Philippe Jordan ein in New York selten anzutreffender Gast. Zur gespannten Erwartung trug auch Michael Volle bei, der nach seinem Rollendebüt als Wanderer im ersten der beiden Met-Zyklen auch persönlich erstmals die volle Distanz absolvierte.
Überhaupt ließ die Besetzung, zumindest auf dem Papier, aufhorchen: Christine Goerke, zuletzt als Strauss’ Elektra und Färberin gefeiert, wurde als Brünnhilde, Tomasz Konieczny als Alberich, Stuart Skelton als Siegmund, Eva-Maria Westbroek als Sieglinde und Andreas Schager (ein Hausdebüt) als Siegfried verpflichtet.
Natürlich war keine Neuproduktion zu besichtigen. Zu viel hatte die Met 2010 in die Inszenierung von Robert Lepage investiert, allein die berüchtigte machine, jene 40 Tonnen schwere kinetische Monumentalskulptur, die aus 24 parallel montierten, individuell drehbaren Planken besteht, verschlang die gewaltige Summe von 16 Millionen Dollar. Solche Kosten amortisieren sich nicht so schnell. Und so werden auch die (vom Regisseur durchaus intendierten) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Matthew Gurewitsch
Gute Laune ist der Hauptgang dieses Menüs, das sich «Songplay» nennt und als dessen Köchin Joyce DiDonato fungiert. Wenngleich man sich beim Hören auch an Fritz Kortner erinnern mag, der einmal gestand, er habe gelacht, aber unter seinem Niveau. Denn nicht alles scheint gelungen; manches bleibt im Niemandsland des Crossover hängen. Obwohl es dann doch wieder...
Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen...
Dass die Kunstfestspiele Herrenhausen zu sehr im Abseits lägen und zu Abseitiges böten, war eine bei konservativen Kulturfreunden beliebte Nörgelei, als sie vor zehn Jahren in die erste Mai-Runde gingen. Doch bald zeigte sich, dass auch in Hannover und Umgebung die Fans des Neuen keinen Weg scheuen und dass das barocke Ensemble zehn Straßenbahnminuten vom Zentrum...
