Chamäleon
Gute Laune ist der Hauptgang dieses Menüs, das sich «Songplay» nennt und als dessen Köchin Joyce DiDonato fungiert. Wenngleich man sich beim Hören auch an Fritz Kortner erinnern mag, der einmal gestand, er habe gelacht, aber unter seinem Niveau. Denn nicht alles scheint gelungen; manches bleibt im Niemandsland des Crossover hängen.
Obwohl es dann doch wieder irgendwie aufgeht, wenn klassische Tradition und Jazz in ein nuptiales Bett gezwungen werden, etwa bei Alessandro Parisottis «Se tu m’ami», wo die Sängerin und ihre musikalischen Reisebegleiter aus dem Jazzland sich aufführen wie Hallodris auf dem Schulhof, die den Braven das Spielzeug wegnehmen und sich damit ihren (sanften) Jux machen. Oder bei «Col piacer della mia fede» aus Vivaldis «Arsilda, regina di Ponto», wo die zunächst historisch angenäherte Darbietung plötzlich aufs schiefe, jazzige Gleis gerät. Oder wenn das «Quella fiamma» aus einer Barock-Cantata Francesco Contis quasi nach Lateinamerika gezoomt und zum Tango umfunktioniert wird. Das mag für manches Ohr recht flach wirken, doch es macht Laune.
Auf jeden Fall erinnert dieses Verfahren auch an Play Bach von Jacques Louissier aus den 1960er-Jahren, wobei sich ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Sie war überfällig, diese russische Erstaufführung. Schon wegen des Stoffs, den Peter Eötvös für seine erste große, 1998 in Lyon aus der Taufe gehobene Oper wählte: Tschechows Drama «Drei Schwestern». Und weil die bleierne Atmosphäre, die den Figuren in dem bald 120 Jahre alten Stück die Luft abschnürt, auch heute, unter veränderten Vorzeichen, auf dem Land...
Krisenzeiten haben ihre eigene Dynamik. Wenn der Blick in die Zukunft sich trübt, die Gegenwart undurchschaubar wirkt, nur die Verklärung einer «heilen» Vergangenheit Halt zu bieten scheint, drohen konkrete Sorgen und diffuse Ängste das Prinzip Hoffnung und die Lust auf Morgenrot im grauen Nebel eines alle kreativen Ideen lähmenden Notstandsbewusstseins zu...
Schönes Entrée: Unzählige bunte Fahnen flattern am Ausgang des Rotterdamer Hauptbahnhofs im Wind, sämtlich tragen sie die Aufschrift «Operadagen». Das Festival, das im Mai seine 14. Ausgabe feierte, ist ein Großereignis in der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde und mit ihrem Mut für avantgardistische Baukonzepte als Ikone...
