Unterm Kitschhimmel, hilflos
Berlioz ohne Orchester ist wie Rembrandt ohne Licht. Deshalb muss man zweifellos dankbar sein, dass das Orchester der Deutschen Oper Berlin die Premiere von «Les Troyens» gespielt hat. Es hätte auch streiken können, denn es befindet sich, wie ein Handzettel am Eingang verkündet, «im offenen Tarifkonflikt». (Wir haben das Thema in dieser Zeitschrift schon aufgegriffen: Heft 12/2010). Die Logik, die dieser Handzettel entfaltet, ist krude. 24 Musiker, so heißt es, hätten das Orchester verlassen, «um in höher eingestufte Orchester zu wechseln».
Soll damit schon vorab vor der aktuellen Formation gewarnt werden? Möchte man uns einreden, dass nur hohe Gagen Qualität garantieren? Wer ständig darauf schielt, was die Kollegen bei anderen Orchestern verdienen, verliert den Blick für das Wesentliche: die eigene Chance. «Les Troyens», ein Werk des reifen Klangfantasten und Instrumentationsgenies Berlioz, bietet jedem Orchester die perfekte Gelegenheit, zu zeigen, was in ihm steckt. Diese Gelegenheit haben die Musiker der Deutschen Oper verpasst. Kaum eine Ahnung vom Qualitätshorizont dieser Musik konnten sie vermitteln: von den heterogenen Quellen, aus der sich ihre Brillanz speist, von der ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
Im Genfer Programmheft sieht man die Sängerinnen der Elektra wie auf einer Perlenschnur aufgereiht – wenn die zarte Metapher für die Schwergewichte vergangener Tage überhaupt zulässig ist. Annie Krull, die den monströsen Part für die Dresdner Uraufführung in wenigen Wochen lernen musste, mit wirren Haaren; Zdenka Faßbender, die erste Münchner Elektra, mit bösem...
Das Bonner Opernhaus hat Franz Schrekers «Irrelohe» ausgegraben und damit ein Schlüsselwerk der Moderne neu entdeckt. In der Nazizeit wurden die Opern des Halbjuden Schreker als «entartet» gebrandmarkt, und so verschwand auch das Stück mit dem schauderhaft schönen Titel in der Versenkung. Von der Renaissance der Schreker-Opern seit den achtziger Jahren profitierte...
Unser Stimmklang wird durch die perfekte Koordination von Atmungs-, Kehlkopf- und Artikulationsbewegungen erzeugt, Bewegungen, die zu den komplexesten gehören, zu denen der Mensch fähig ist. Und doch hat die Tonproduktion ein physiologisches Zentrum, das oft mit der gesamten Stimme gleichgesetzt wird: die Stimmbänder, die physiologisch zutreffender eigentlich...
